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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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224 Religion innerh. d. Grenzen d. blosen Vernunft. II. Stück.

auch nur habe empfänglich sein können, kann man besser sagen: daßjenes Urbild vom Himmel zu uns herabgekommen sei, daß esdie Menschheit angenommen habe, (denn es ist nicht ebensowohlmöglich, sich vorzustellen, wie der von Natur böse Mensch dasBöse von selbst ablege und sich zum Ideal der Heiligkeit erhebe,als daß das Letztere die Menschheit, (die für sich nicht böse ist,)annchme und sich zu ihr herablasse.) Diese Vereinigung mit unskann also als ein Stand der Erniedrigung des Sohnes Gottesangesehen werden, wenn wir uns jenen göttlich gesinnten Menschen,als Urbild für uns, so vorstellen, wie er, obzwar selbst heilig undals solcher zu keiner Erduldung von Leiden verhaftet, diese gleichwohlim größten Maaße übernimmt, um das Weltbeste zu befördern; da-gegen der Mensch, der nie von Schuld frei ist, wenn er auch die-selbe Gesinnung angenommen hat, die Leiden, die ihn, auf welchemWege es auch sei, treffen mögen, doch als von ihm verschuldet ari-schen kann, mithin sich der Vereinigung seiner Gesinnung mit einersolchen Idee, obzwar sie ihm zum Urbilde dient, unwürdig hal-ten muß.

Das Ideal der Gott wohlgefälligen Menschheit, (mithin einermoralischen Vollkommenheit, so wie sie an einem von Bedürfnissenund Neigungen abhängigen Weltwesen möglich ist,) können wir unsnun nicht anders denken, als unter der Idee eines Menschen, dernicht allein alle Menschenpflicht selbst auszuüben, zugleich auchdurch Lehre und Beispiel das Gute in größtmöglichem Umfange umsich auszubreiten, sondern auch, obgleich durch die größten Anlockun-gen versucht, dennoch alle Leiden bis zum schmählichsten Tode umdes Weltbesten willen, und selbst für seine Feinde zu übernehmenbereitwillig wäre. Denn der Mensch kann sich keinen Begriffvon dem Grade und der Stärke einer Kraft, dergleichen die einermoralischen Gesinnung ist, machen, a!s wenn er sie mit Hindernissenringend und unter den größtmöglichen Anfechtungen dennoch über-windend sich vorstellt.

Im praktischen Glauben an diesen Sohn Gottes,(sofern er vorgestellt wird, als habe er die menschliche Natur ange-

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