Von d. Eimvohnung d. bösen Princips neben d. guten. Allg. Anm. SIS
habe, als darum zu bitten; welches, da es vor einem allsehendenWesen nichts weiter ist, als wünschen, eigentlich nichts gethansein wurde, denn wenn cs mit dem bloscn Wunsch ausgerichtet wäre,so würde jeder Mensch gut sein. Nach der moralischen Religionaber, (dergleichen unter allen öffentlichen, die es je gegeben hat, alleindie christliche ist,) ist cs ein Grundsatz: daß ein Jeder, so viel, alsin seinen Kräften ist, thun müsse, um ein besserer Mensch zu wer.den; und nur alsdann, wenn er sein angebornes Pfund nicht ver-graben (Lucä 19, 12 —16), wenn er die ursprüngliche Anlagezum Guten benutzt hat, um ein besserer Mensch zu werden, er hof-fen könne, was nicht in seinem Vermögen ist, werde durch höhereMitwirkung ergänzt werden. Auch ist cs nicht schlechterdings noth-wendig, daß der Mensch wisse, worin diese bestehe; vielleicht garunvermeidlich, daß, wenn die Art, wie sie geschieht, zu einer ge-wissen Zeit offenbart worden, verschiedene Menschen zu einer anderenZeit sich verschiedene Begriffe, und zwar mit aller Aufrichtigkeit, da-von machen würden. Aber alsdann gilt auch der Grundsatz: „esist nicht wesentlich, und also nicht Jedermann nothwendig, zu wissen,was Gott zu seiner Seligkeit thue, oder gethan habe"; aber wohl,was er selbst zu thun habe, um dieses Beistandes würdig zuwerden *).
*) 1) Diese allgemeine Anmerkung ist die erste von den vieren, deren einejedem Stücke dieser Schrift angchängt ist, und welche die Aufschrift führenkönnten: 1) von Gnadcnwirkungcn, 2) Wundern, 3) Geheimnissen, 4) Gna-denmitteln. — Diese sind gleichsam Parerga der Religion innerhalb derGrenzen der reinen Vernunft; sic gehören nicht innerhalb dieselben, aber sto-ßen doch an sic an. Die Vernunft im Bewusstsein ihres Unvermögens, ihremmoralischen Bcdürfniß ein Genüge zu thun, dehnt sich bis zu überschwengli-chen Ideen aus, die jenen Mangel ergänzen könnten, ohne sie doch als einenerweiterten Besitz sich zuzucignen. Sie bestreitet nicht die Möglichkeit oderWirklichkeit der Gegenstände derselben, aber sie kann sic nur nicht in ihreMaximen zu denken und zu handeln aufnchmcn. Sic rechnet sogar darauf,daß, wenn in dem uncrforschlichcn Felde des Uebernatürlichen noch etwas mehrist,' als sie sich verständlich machen kann, was aber doch zu Ergänzung desmoralischen Unvermögens nothwendig wäre, dieses ihrem guten Willen, auch
ch) Das Folgende bis zu Ende de» ersten Stückes ist Zusatz der 2. Ausg.