214 Religion innerh. d. Grenzen d. blosen Vernunft. I. Stück.
Guten, nicht von einer uns natürlichen Unschuld den Anfang machen,sondern müssen von der Voraussetzung einer Bösartigkeit der Will-kühr in Annehmung ihrer Maximen der ursprünglichen sittlichen An-lage zuwider anheben, und weil der Hang dazu unvertilgbar ist, mitder unablässigen Gegenwirkung gegen denselben. Da dieses nun blosauf eine ins Unendliche hinausgehende Fortschreitung vom Schlech-ten zum Besseren führt, so folgt: daß die Umwandlung der Ge-sinnung des bösen in die eines guten Menschen in der Veränderungdes obersten inneren Grundes der Annehmung aller seiner Maximendem sittlichen Gesetze gemäß zu setzen sei, sofern dieser neue Grund(das neue Herz) nun selbst unveränderlich ist. Zur Ueberzeugungaber hievon kann nun zwar der Mensch natürlicher Weise nicht ge-langen, weder durch unmittelbares Bewußtsein, noch durch den Be-weis seines bis dahin geführten Lebenswandels; weil die Tiefe desHerzens, (der subjcctive erste Grund seiner Maximen) ihm selbst un-crforschlich ist; aber auf den Weg, der dahin führt und der ihmvon einer im Grunde gebesserten Gesinnung angewiesen wird, mußer hoffen können, durch eigene Kraftanwendung zu gelangen; weiler ein guter Mensch werden soll, aber nur nach demjenigen, wasihm als von ihm selbst gethan zugerechnet werden kann, als mo-ralisch-gut zu beurlheilen ist.
Wider diese Zumuthung der Selbstbesserung bietet nun die zurmoralischen Bearbeitung von Natur verdrossene Vernunft unter demVorwände des natürlichen Unvermögens allerlei unlautere Religions-ideen aus, (wozu gehört: Gott selbst das Glückseligkcitsprincip zurobersten Bedingung seiner Gebote anzudichten.) Man kann aberalle Religionen in die der Gunstbewerbung (des blosen Eultus),und die moralische d. i. die Religion des guten Lebenswan-dels eintheilen. Nach der ersteren schmeichelt sich entweder derMensch: Gott könne ihn wohl ewig glücklich machen, ohne daß ereben nölhig habe, ein besserer Mensch zu werden, (durch Er-lassung seiner Verschuldungen;) oder auch, wenn ihm dieses nichtmöglich zu sein scheint: Gott könne ihn wohl zum besserenMenschen machen, ohne daß er selbst etwas mehr dabei zu thun
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