216 Religion innerh. d. Grenzen d. blosen Bernunft. l. Stück-
unerkannt zu Statten kommen werde, mit einem Glauben, den man den (überdie Möglichkeit desselben) reslectirenden nennen könnte, well der dogma-tische, der sich als ein Wissen ankündigt, ihr unaufrichtig oder vermesse»vorkommt; denn die Schwierigkeiten gegen das, was für sich selbst (praktisch)feststeht, wcgzuräumen, ist, wenn sie transscendcntc Fragen betreffen, nur ei»Nebengefchäft (Parcrgon). Was den Nachthcil aus diesen, auch moralisch-transsccndcnte» Ideen anlangt, wenn wir sie in die Religion cinführen woll-ten, so ist die Wirkung davon, nach der Ordnung der vier obbcnannten Klas-sen, I) der vermeinten inneren Erfahrung (Gnadcnwirkungen) Schwär-merei, 2) der angeblichen äußeren Erfahrung (Wunder) Aberglaube,3) der gewähnten Vcrstandcserleuchtung in Ansehung des Ucbcrnatürlichcn(Geheimnisse) Illuminatismus, Adeptenwahn, 4) der gewagten Versucheaufs Ucbernatürlichc hin zu wirken (Gnadcnmittel) Thaumaturgic, lauterVerirrungen einer über ihre Schranken hinausgehendcn Vernunft, und zwarin vermeintlich moralischer (gottgefälliger) Absicht. — Was aber diese allge-meine Anmerkung zum ersten Stück gegenwärtiger Abhandlung besonders be-trifft, so ist die Herbcirufung der Gnadcnwirkungen von der letzterenArt und kann nicht in die Maximen der Vernunft ausgenommen werden,wenn diese sich innerhalb ihren Grenzen hält; wie überhaupt nichts Uebcrna-türlichcs, weil gerade bei diesem aller Vcrnunftgcbrauch aufhört. — Denn sietheoretisch woran kennbar zu machen, (daß sie Gnaden-, nicht innere Na-turwirkungen sind,) ist unmöglich, weil unser Gebrauch des Begriffs von Ur-sache und Wirkung über Gegenstände der Erfahrung, mithin über die Naturhinaus nicht erweitert werden kann; die Voraussetzung aber einer prakti-schen Benutzung dieser Idee ist ganz sich selbst widersprechend. Denn alsBenutzung würde sie eine Regel von dem vorausseßcn, was wir (in gewisserAbsicht) Gutes selbst zu thun haben, um etwas zu erlangen; eine Gnaden-wirkung aber zu erwarten bedeutet gerade das Gegentheil, nämlich, daß dasGute (das moralische) nicht unsere, sondern die That eines anderen Wesenssein werde, wir also sie durch Nichts thun allein erwerben können, wel-ches sich widerspricht. Wir können sie also, als etwas Unbegreifliches, einräu-men, aber sie weder zum theoretische», noch praktischen Gebrauch in unsereMaxime aufnehmen.