Von d. Einwohnung d. bösen Pri'nckps neben d. guten. Mg. Mm- 211
von der Besserung der Sitten, sondern von der Umwandlung derDenkungsart und von der Gründung eines Charakters anfangenmüsse; ob man zwar gewöhnlicher Weise anders verfährt, und widerLaster einzeln kämpft, die allgemeine Wurzel derselben aber unbe-rührt läßt. Nun ist selbst der eingeschränkteste Mensch des Eindruckseiner desto größeren Achtung für eine pflichtmäßige Handlung fähig,je mehr er ihr in Gedanken andere Triebfedern, die durch die Selbst-liebe auf die Maxime der Handlung Einfluß haben könnten, ent-zieht ; und selbst Kinder sind fähig, auch die kleinste Spur von Bei-mischung unächter Triebfedern anfzusinden; da denn die Handlungbei ihnen augenblicklich allen moralischen Werth verliert. Diese An-lage zum Guten wird dadurch, daß man das Beispiel selbst vonguten Menschen, (was die Gesetzmäßigkeit derselben betrifft,) an-führt, und seine moralischen Lehrlinge die Unlauterkeit mancher Maxi-men aus den wirklichen Triebfedern ihrer Handlungen beurtheilenläßt, unvergleichlich cultivirt und geht allmählig in die Denkungsartüber; so daß Pflicht blos für sich selbst in ihren Herzen ein merk-liches Gewicht zu bekommen anhebt. Allein tugendhafte Handlun-gen, so viel Aufopferung sie auch gekostet haben mögen, bewun-dern zu lehren, ist noch nicht die rechte Stimmung, die das Ge-müth des Lehrlings fürs moralisch Gute erhalten soll. Denn sotugendhaft Jemand auch sei, so ist doch Alles, was er immer Gutesthun kann, blos Pflicht; seine Pflicht aber thun, ist nichts mehr,als das zu thun, waS in der gewöhnlichen sittlichen Ordnung ist,mithin nicht bewundert zu werden verdient. Vielmehr ist diese Be-wunderung eine Abstimmung unseres Gefühls für Pflicht, gleich alsob es etwas Außerordentliches und Verdienstliches wäre, ihr Gehor-sam zu leisten.
Aber Eines ist in unserer Seele, welches, wenn wir es gehörigins Auge fassen, wir nicht aufhören können, mit der höchsten Ver-wunderung zu betrachten, und wo die Bewunderung rechtmäßig, zu-gleich auch seelenerhebend ist; und das ist: die ursprüngliche mora-lische Anlage in uns überhaupt. — Was ist das, (kann man sichselbst fragen,) in uns, wodurch wir von der Natur durch so viel
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