21V Religion inncrh. d. Grenzen d. blosen Vernunft. I. Stück.
Gesinnung in Menschen, (einen Ucbergang zur Maxime der Heilig-keit derselben) bewirkt werden; und er kann ein neuer Mensch nurdurch eine Art von Wiedergeburt, gleich als durch eine neue Schöpfung(Ev. Ioh. 3,5; verglichen mit 1 Mos. 1, 2) und Aenderung desHerzens werden.
Wenn der Mensch aber im Grunde seiner Maximen verderbtist, wie ist es möglich, daß er durch eigene Kräfte diese Revolutionzu Stande bringe und von selbst ein guter Mensch werde? Unddoch gebietet die Pflicht es zu sein, sie gebietet uns aber nichts, als wasuns thunlich ist. Dieses ist nicht anders zu vereinigen, als daß dieRevolution für die Denkungsart, die allmählige Reform aber fürdie Sinnesart, (welche jener Hindernisse entgegenstellt,) nothwendigund daher auch dem Menschen möglich sein muß. Das ist: wenner den obersten Grund seiner Maximen, wodurch er ein böser Menschwar, durch eine einzige unwandelbare Entschließung umkehrt (undhiemit einen neuen Menschen anzieht); so ist er sofern, demPrincipund der Denkungsart nach, ein fürs Gute empfängliches Subject;aber nur in ccntinuirlichem Wirken und Werden ein guter Mensch:d. i. er kann hoffen, daß er bei einer solchen Reinigkeit des Prin-cips, welches er sich zur obersten Maxime seiner Willkühr genom-men hat, und der Festigkeit desselben, sich auf dem guten, (obwohlschmalen) Wege eines beständigen Fortschreitens vom Schlechtenzum Besseren befinde. Dies ist für denjenigen, der den intelligiblenGrund des Herzens (aller Maximen der Willkühr) durchschauet,für den also diese Unendlichkeit des Fortschritts Einheit ist, d. i. fürGott so viel, als wirklich ein guter (ihm gefälliger) Mensch sein;und insofern kann diese Veränderung als Revolution betrachtet wer-den; für die Beurtheilung der Menschen aber, die sich und dieStärke ihrer Maximen nur nach der Oberhand, die sie über dieSinnlichkeit in der Zeit gewinnen, schätzen können, ist sie nur alsein immer fortdauerndes Streben zum Besseren, mithin als all-mählige Reform des Hanges zum Bösen, als verkehrter Denkungs-art, anzusehen.
Hieraus folgt, daß die moralische Bildung des Menschen nicht
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