Von d. Einwohnung d. bösen Pnnci'ps neben d. guten. Allg. Anm. 2V7
sich selbst zum guten Menschen mache, das übersteigt alle unsereBegriffe, denn wie kann ein böser Baum gute Früchte bringen?Da aber doch nach dem vorher abgelegten Geständnisse ein ursprünglich(der Anlage nach) guter Baum arge Früchte hervorgebracht hat*)und der Verfall vom Guten ins Böse, (wenn man wohl bedenktdaß dieses aus der Freiheit entspringt,) nicht begreiflicher ist, alsdas Wiederaufstehen aus dem Bösen zum Guten; so kann die Mög-lichkeit des letzteren nicht bestritten werden. Denn ungeachtet jenesAbfalls erschallt doch das Gebot: wir sollen bessere Menschen wer-den, unvermindert in unserer Seele; folglich müssen wir es auchkönnen, sollte auch das, was wir thun können, für sich allein un-zureichend sein, und wir uns dadurch nur eines für uns unerfvrsch-lichen höheren Beistandes empfänglich machen. — Freilich mußhiebei vorausgesetzt werden, daß ein Keim des Guten in seinerganzen Rcinigkeit übrig geblieben, nicht vertilgt oder verderbt werdenkonnte, welcher gewiß nicht die Selbstliebe") sein kann; die, alsPrincip aller unserer Maximen angenommen, gerade die Quellealles Bösen ist.
*) Der der Anlage nach gute Baum ist cs noch nicht der Lhat nach;denn wäre er es, so könnte er freilich nicht arge Früchte bringen; nur wennder Mensch die für das moralische. Gesetz in ihn gelegte Triebfeder in seineMaxime ausgenommen hat, wird er ein guter Mensch, (der Baum schlecht-hin ein guter Baum) genannt.
") Worte, die einen zwiefachen ganz verschiedenen Sinn annchmcn können,halten öfters die Ueberzeugung aus den klarsten Gründen lange Zeit auf.Wie Liebe überhaupt, so kann auch Selbstliebe in die des Wohl-wollens und des Wohlgefallens (I-enevoleuti»« et eom,,I->eenti»e)cingetheilt werden, und beide müssen, (wie sich von selbst versteht,) vernünf-tig sein. Die erste in seine Maxime aufnehmcn ist natürlich, (denn werwird nicht wollen, daß es ihm jederzeit wohl ergehe?) Sie ist aber sofernvernünftig, als theils in Ansehung des Zwecks nur dasjenige, was mit demgrößten und dauerhaftesten Wohlergehen zusammen bestehen kann, theils zujedem dieser Bestandstücke der Glückseligkeit die tauglichsten Mittel gewähltwerden. Die Vernunft vertritt hier nur die Stelle einer Dienerin der na-türlichen Neigung; die Maxime aber, die man deshalb annimmt, hat garkeine. Beziehung auf Moralität- Wird sie aber zum unbedingte» Principder Willkühr gemacht, so ist sie die Quelle eines unabsehlich großenWiderstreits gegen die Sittlichkeit. — Eine vernünftige Liebe des