I9t Religion innerh. d. Grenzen d. blosen Vernunft. I. Stück.
jederzeit gefaßt sein müsse; von einem herzlichen Wohlwollen, wel-ches doch die Bemerkung zuläßt, „cs sei in dem Unglück unsererbesten Freunde etwas, das uns nicht ganz mißfallt"; und vonvielen anderen unter dem Tugendscheine noch verborgenen, geschweigederjenigen Laster, die ihrer gar nicht hehl haben, weil uns derschon gut heißt, der ein böser Mensch von der allgemeinenKlasse ist; und er wird an dm Lastern der Cultur und Civilisi-rung, (den kränkendsten unter allen) genug haben, um sein Augelieber vom Betragen der Menschen abzuwcnden, damit er sich nichtselbst ein anderes Laster, nämlich den Mcnschenhaß zuziehc. Ist eraber damit noch nicht zufrieden, so darf er nur den aus beiden aufwunderliche Weise zusammengesetzten, nämlich den äußeren Völkerzu-stand in Betrachtung ziehen, da civilisirte Völkerschaften gegen einanderim Verhältnisse des rohen Naturstandes, (eines Standes der beständigenKriegsverfassung) stehen, und sich auch fest in den Kopf gesetzt haben,nie daraus zu gehen; und er wird dem öffentlichen Vorgebcn gerade wi-dersprechende und doch nie abzulegende Grundsätze der großen Gesell-schaften, Staaten genannt*), gewahr werden, die noch kein Philosophmit der Moral hat in Einstimmung bringen, und doch auch, (welches arg
*)"() Wenn man dieser ihre Geschichte blos als das Phänomen der unsgrofientheils verborgenen inneren Anlagen der Menschheit ansi'eht, so kannman einen gewissen maschinenmäßigen Gang der Natur, nach Zwecke», dienicht ihre lder Völker) Zwecke, sondern Zwecke der Natur sind, gewahr wer-den. Ein jeder Staat strebt, solange er einen anderen neben sich hat, den erzu bezwingen hoffen darf, sich durch dieses Unterwerfung zu vergrößern, undalso zur Universalmonarchie, einer Verfassung, darin alle Freiheit und mitihr, (was die Folge derselben ist,) Tugend, Geschmack und Wissenschaft erlö-schen müßte. Allein dieses Ungeheuer, (in welchem die Gesetze allmählig ihreKraft verlieren,) nachdem cs alle benachbarte verschlungen hat, löset sich end-lich von selbst auf und thcilt sich durch Aufruhr und Zwiespalt in viele klei-nere Staaten, die, anstatt zu einem Staatenverein (Republik freier verbün-deter Völker) zu streben, wiederum ihrerseits jeder dasselbe Spiel von Neuemanfange» , um den Krieg (diese Geisel des menschlichen Geschlechts) ja nichtaufhorcn zu lassen, der, ob er gleich nicht so unheilbar böse ist, als das Grabder allgemeinen Alleinherrschaft (oder auch ein Völkerbund, um die Despotiein keinem Staate abkommen zu lassen,) doch, wie ein Alter sagte, mehr böseMenschen macht, als er deren wegiiininit.
-j) Zusatz der 2. Ausg.
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