V. d. Einwohnung d. bösen Pr,'ncips neben dem guten. III. INS
Daß nun ein solcher verderbter Hang im Menschen gewurzeltsein müsse, darüber können wir uns, bei der Menge schreienderBeispiele, welche uns die Erfahrung an den Thaten der Men-schen vor Augen stellt, den förmlichen Beweis ersparen. Will mansie aus demjenigen Zustande, in welchem manche Philosophen dienatürliche Gutartigkeit der menschlichen Natur vorzüglich anzutreffenhofften, nämlich aus dem sogenannten Naturstande; so darf mannur die Auftritte von ungereizter Grausamkeit in den Mordsccnenauf Tofoa, Neuseeland, den Navigatorsinseln, und dienie aufhörende in den weiten Wüsten des nordwestlichen Amerika,(die Capt. Hearne anführt,) wo sogar kein Mensch den mindestenNorthcil davon hat*), mit jener Hypothese vergleichen, und manhat Laster der Rohigkeit, mehr, als nöthig ist, um von dieser Mei-nung abzugehen. Ist man aber für die Meinung gestimmt, daßsich die menschliche Natur im gesitteten Zustand, (worin sich ihreAnlagen vollständiger entwickeln können,) besser erkennen lasse; sowird man eine lange melancholische Litanei von Anklagen der Mensch-heit anhören müssen; von geheimer Falschheit, selbst bei der innig-sten Freundschaft, so daß die Mäßigung des Vertrauens in wech-selseitiger Eröffnung auch der besten Freunde zur allgemeinen Maximeder Klugheit im Umgänge gezählt wird; von einem Hange, den-jenigen zu hassen, dem man verbindlich ist, worauf ein Wohlthäter
*) ch) Wie der immerwährende Krieg zwischen de» Arathavcscau - undde» Hundsrippen - Indianern keine andere Absicht, als blas das Todtschlagenhat. Kriegstapferkeit ist die höchste Tugend der Wilden, in ihrer Meinung.Auch im gesitteten Zustande ist sie ein Gegenstand der Bewunderung undein Grund der vorzüglichen Achtung, die derjenige Stand fordert, bei demdiese das einzige Verdienst ist; und dieses nicht ohne Grund in der Vernunft.Denn daß der Mensch etwas haben und sich zum Zweck machen könne, waser noch höher schätzt, als sein Leben (die Ehre), wobei er allem Eigennutzeentsagt, beweist doch eine gewisse Erhabenheit in seiner Anlage. Aber mansieht doch an der Behaglichkeit, womit die Sieger ihre Grofithaten (des Zu-sammcnhaucns, Niedcrstoßens ohne Verschonen u- dgl.) preisen, Laß blosihre Ueberlegenhcit und die Zerstörung, welche sie bewirken konnten, ohneeinen anderen Zweck, das sei, worauf sie sich eigentlich etwas zu Gute thun.
-s) Zusatz der 2. Ausg.
Kant s. W. VI.
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