1S2 Religion innerh. d. Grenzen d. blosen Vernunft. >. Stück.
verderbt habe, obgleich dieses unsere eigene That ist, ebensowenigweiter eine Ursache angeben können, als von einer Grundeigenschaft,die zu unserer Natur gehört. — Man wird in dem jetzt Gesagtenden Grund antreffen, warum wir in diesem Abschnitte gleich zuAnfänge die drei Quellen des moralisch Bösen lediglich in demjenigensuchten, was nach Freiheitsgesetzen den obersten Grund der Neh-mung oder Befolgung unserer Maximen, nicht, was die Sinnlich-keit (als Receptivität) afsicirt.
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Der Mensch ist von Natur böse.
Vitiis nemo sine nsseitur. //«rat.
Der Satz: der Mensch ist böse, kann nach dem Obigen nichtsAnderes sagen wollen, als: er ist sich des moralischen Gesetzes be-wußt , und hat doch die (gelegenheitliche) Abweichung von demselbenin seine Maxime ausgenommen. Er ist von Natur böse, heißtsoviel, als: dieses gilt von ihm in seiner Gattung betrachtet; nichtals ob solche Qualität aus seinem Gattungsbegriffe, (dem eines 'Menschen überhaupt) könne gefolgert werden, (denn alsdann wäresie nothwendio,) sondern er kann nach dem, wie man ihn durchErfahrung kennt, nicht anders beurtheilt werden, oder man kannes, als subjectiv nothwendig, in jedem, auch dem besten Menschenvoraussetzen. Da dieser Hang nun selbst als moralisch böse, mithinnicht als Naturanlage, sondern als etwas, was dem Menschen zu-gerechnet werden kann, betrachtet werden, folglich in gesetzwidrigenMaximen der Willkühr bestehen muß; diese aber, der Freiheit wegen,für sich als zufällig angesehen werden müssen, welches mit der All-gemeinheit dieses Bösen sich wiederum nicht zusammenreimen will,wenn nicht der subjektive oberste Grund aller Maximen mit derMenschheit selbst, es sei, wodurch cs wolle, verwebt und daringleichsam gewurzelt ist: so werden wir diesen einen natürlichen Hangzum Bösen, und da er doch immer selbstverschuldet sein muß, ihnselbst ein radikales, angebornes, (nichtsdestoweniger aber uns vonuns selbst zugezogenes) Bösein der menschlichen Natur nennen können.
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