V. d. Einwohnung d. bösen Pnncips neben d. guten. » 181
er ist moralisch, d. i. zur Willkühr desselben als moralischen Wesensgehörig. - Im ersteren Sinne gibt cs keinen Hang zum moralischBösen; denn dieses muß aus der Freiheit entspringen; und ein phy-sischer Hang, (der auf sinnliche Antriebe gegründet ist,) zu irgendeinem Gebrauche der Freiheit, es sei zum Guten oder Bösen, istein Widerspruch. Also kann ein Hang zum Bösen nur dem mo-ralischen Vermögen der Willkühr ankleben. Nun ist aber nichtssittlich-(d. i- zurechnungsfähig-) böse, als was unsere eigene Thatist. Dagegen versteht man unter dem Begriffe eines Hanges einensubjektiven Bestimmungsgrund der Willkühr, der vor jeder Thatvorhergeht, mithin selbst noch nicht That ist; da denn in demBegriffe eines blosen Hanges zum Bösen ein Widerspruch seinwürde, wenn dieser Ausdruck nicht etwa in zweierlei verschiedenerBedeutung, die sich beide doch mit dem Begriffe der Freiheit ver-einigen lassen, genommen werden könnte. Es kann aber der Aus-druck von einer That überhaupt sowohl von demjenigen Gebrauchder Freiheit gelten, wodurch die oberste Maxime (dem Gesetze gemäßoder zuwider) in die Willkühr ausgenommen, als auch von dem-jenigen, da die Handlungen selbst (ihrer Materie nach, d. i. dieObjecte der Willkühr betreffend) jener Maxime gemäß ausgeübtwerden. Der Hang zum Bösen ist nun That in der ersten Be-deutung (peooatum originarium), und zugleich der formale Grundaller gesetzwidrigen That im zweiten Sinne genommen, welche derMaterie nach demselben widerstreitet und Laster (peoeatum äeri-vstivum) genannt wird; und die erste Verschuldung bleibt, wenn-gleich die zweite (aus Triebfedern, die nicht im Gesetz selber be-stehen,) vielfältig vermieden würde. Jene ist intclligible That, blosdurch Vernunft ohne alle Zeitbedingung erkennbar; diese sensibel,empirisch, in der Zeit gegeben (taetum pdaenomenon). Die ersteheißt nun vornehmlich in Vergleichung mit der zweiten ein bloserHang, und angeboren, weil er nicht ausgerottet werden kann, (alswozu die oberste Maxime die des Guten sein müßte, welche aberin jenem Hange selbst als böse angenommen wird;) vornehmlich aber,weil wir davon: warum in uns das Böse gerade die oberste Maxime