V. d. Einwohnung d. bösen Princips neben d. guten, ll 18 S
aufzunehmen, oder nicht, das gute oder böse Herz genanntwerde.
Man kann sich drei verschiedene Stufen desselben denken.Erstlich, ist es die Schwache des menschlichen Herzens in Be-folgung genommener Maximen überhaupt, oder die Gebrechlich-keit der menschlichen Natur; zweitens, der Hang zur Vermi-schung unmoralischer Triebfedern mit den moralischen, (selbst wennes in guter Absicht und unter Maximen des Guten geschähe,) d. i.die Unlauterkeit; drittens, der Hang zur Annehmung böserMaximen, d. i. die Bösartigkeit der menschlichen Natur oderdes menschlichen Herzens.
Erstlich, die Gebrechlichkeit (krsAiUtas) der menschlichenNatur ist selbst in der Klage eines Apostels ausgedrückt: Wollen habeich wohl, aber das Vollbringen fehlt, d. i. ich nehme das Gute(das Gesetz) in die Maxime meiner Willkühr auf, aber dieses, wel-ches objectiv in der Idee (in tbesi) eine unüberwindliche Triebfederist, ist fubjectiv (in d^xotbesi), wenn die Maxime befolgt werdensoll, die schwächere (in Vergleichung mit der Neigung).
Zweitens, die Unlauterkeit (lmpuritss, improbitss) desmenschlichen Herzens besteht darin: daß die Maxime dem Objectenach (der beabsichtigten Befolgung des Gesetzes) zwar gut undvielleicht auch zur Ausübung kräftig genug, aber nicht rein mora-lisch ist, d. i. nicht, wie es sein sollte, das Gesetz allein zurhinreichenden Triebfeder in sich ausgenommen hat; sondernmehrcntheils, (vielleicht jederzeit) noch andere Triebfedern außerderselben bedarf, um dadurch die Willkühr zu dem, was Pflichtfordert, zu bestimmen. Mit anderen Worten, daß pflichtmäßigeHandlungen nicht rein aus Pflicht gethan werden.
Drittens, die Bösartigkeit (vitiositas, prsvitss), oder wennman lieber will, die Verderbtheit (corruxtio) des menschlichen Her-zens, ist der Hang der Willkühr zu Maximen, die Triebfeder ausdem moralischen Gesetz anderen (nicht moralischen) nachzusetzen.Sie kann auch die Verkehrtheit (perversitss) des menschlichenHerzens heißen, weil sie die sittliche Ordnung in Ansehung der