Von d. Einwohnung d. bösen Princips neben d- guten. I. 187
freie Willkühr es in seine Maxime aufnimmt, so ist Beschaffenheiteiner solchen Willkühr der gute Charakter; welcher, wie überhauptjeder Charakter der freien Willkühr, etwas ist, das nur erworbenwerden kann, zu dessen Möglichkeit aber dennoch eine Anlage inunserer Natur vorhanden sein muß, worauf schlechterdings nichtsBöses gepfropft werden kann. Die Idee des moralischen Gesetzesallein, mit der davon unzertrennlichen Achtung, kann man nichtfüglich eine Anlage für die Persönlichkeit nennen; sie ist diePersönlichkeit selbst (die Idee der Menschheit ganz intellektuell be-trachtet). Aber daß wir diese Achtung zur Triebfeder in unsereMaximen aufnehmen, der subjective Grund hiezu scheint ein Zusatzzur Persönlichkeit zu sein, und daher den Namen einer Anlage zumBehuf derselben zu verdienen.
Wenn wir die genannten drei Anlagen nach den Bedingungenihrer Möglichkeit betrachten, so finden wir, daß die erste keineVernunft, die zweite zwar praktische, aber nur anderen Trieb-federn dienstbare, die dritte aber allein für sich selbst praktisched. i. unbedingt gesetzgebende Vernunft zur Wurzel habe. Alle dieseAnlagen im Menschen sind nicht allein (negativ) gut, (sie wider-streiten nicht dem moralischen Gesetze,) sondern sind auch Anlagenzum Guten, (sie befördern die Befolgung desselben.) Sie sindursprünglich; denn sic gehören zur Möglichkeit der menschlichenNatur. Der Mensch kann die zwei ersteren zwar zweckwidrigbrauchen, aber keine derselben vertilgen. Unter Anlagen einesWesens verstehen wir sowohl die Bestandstücke, die dazu erforder-lich sind, als auch die Formen ihrer Verbindung, um ein solchesWesen zu sein. Sie sind ursprünglich, wenn sie zu der Mög-lichkeit eines solchen Wesens nothwendig gehören; zufällig aber,wenn das Wesen auch ohne dieselben an sich möglich wäre. Nochist zu merken, daß hier von keinen anderen Anlagen die Rede ist,als denen, die sich unmittelbar auf das Begehrungsvermögen undden Gebrauch der Willkühr beziehen.