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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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186
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186 Religion innerh. d. Grenzen d. blosen Vernunft. I. Stück.

der Wollust, und der wilden Gesetzlosigkeit (im Verhält-nisse zu anderen Menschen) genannt.

2. Die Anlagen für die Menschheit können auf den all-gemeinen Titel der zwar physischen, aber doch vergleichendenSelbstliebe, (wozu Vernunft erfordert wird,) gebracht werden; sichnämlich nur in Vergleichung mit Anderen als glücklich oder un-glücklich zu beurtheilen. Von ihr rührt die Neigung her, sich inder Meinung Anderer einen Werth zu verschaffen;und zwar ursprünglich blos den der Gleichheit: Keinem über sich(Überlegenheit zu verstatten, mit einer beständigen Besorgniß ver-bunden, daß Andere darnach streben möchten; woraus nachgeradeeine ungerechte Begierde entspringt, sie sich über Andere zu erwer-ben. Hierauf, nämlich auf Eifersucht and Nebenbuhlereikönnen die größten Laster geheimer und offenbarer Feindseligkeitengegen Alle, die wir als für uns Fremde ansehen, gepfropft werden;die eigentlich doch nicht aus der Natur als ihrer Wurzel von selbstentsprießen; sondern, bei der besorgten Bewerbung Anderer zu eineruns verhaßten Ueberlegenheit über uns, Neigungen sind, sich derSicherheit halber diese über Andere als Vorbauungsmittel selbst zuverschaffen; da die Natur doch die Idee eines solchen Wetteifers,(der an sich die Wechselliebe nicht ausschließt,) nur als Triebfederzur Cultur brauchen wollte. Die Laster, die auf diese Neigunggepfropft werden, können daher auch Laster der Cultur heißen;und werden im höchsten Grade ihrer Bösartigkeit, (da sie alsdannblos die Idee eines Maximum des Bösen sind, welches die Mensch-heit übersteigt,) z. B. im Neide, in der Undankbarkeit, derSchadenfreude u.s. w. teuflische Laster genannt.

3. Die Anlage für die Persönlichkeit ist die Empfäng-lichkeit der Achtung für das moralische Gesetz, als einer für sichhinreichenden Triebfeder der Willkühr. Die Empfäng-lichkeit der blosen Achtung für das moralische Gesetz in uns wäredas moralische Gefühl, welches für sich noch nicht einen Zweck derNaturanlage ausmacht, sondern nur sofern es Triebfeder der Will-kühr ist. Da dieses nun lediglich dadurch möglich wird, daß die

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