Von d. Einwohnung d. bösen Princips neben d. gutcn. I. 185
1) Die Anlage für die Thierheit des Menschen, als eineslebenden;
2) Für die Menschheit desselben, als eines lebenden und zu-gleich vernünftigen;
3) Für seine Persönlichkeit, als eines vernünftigen und zu-gleich der Zurechnung fähigen Wesens*).
1. Die Anlage für die Thierheit im Menschen kannman unter dem allgemeinen Titel der physischen und blos mecha-nischen Selbstliebe d. i. einer solchen bringen, wozu nicht Ver-nunft erfordert wird. Sie ist dreifach: erstlich, zur Erhaltungseiner selbst; zweitens, zur Fortpflanzung seiner Art, durch denTrieb zum Geschlecht, und zur Erhaltung dessen, was durch Ver-mischung mit demselben erzeugt wird; drittens, zur Gemeinschaftmit anderen Menschen, d. i. der Trieb zur Gesellschaft. — Auf siekönnen allerlei Laster gepfropft werden, (die aber nicht aus jenerAnlage, als Wurzel, von selbst entsprießen.) Sie können Laster derRohigkeit der Natur heißen, und werden in ihrer höchsten Ab-weichung vom Naturzwccke viehische Laster: der Völlerei,
*) Man kann diese nicht, als schon in dem Begriff der vorigen enthalten,sondern man muß sie nothwendig als eine besondere Anlage betrachten. Denncs solgt daraus, daß ein Wesen Vernunft hat, gar nicht, daß diese ein Ver-mögen enthalte, die Willkühr unbedingt, durch die blose Vorstellung derQualifikation ihrer Maximen zur allgemeinen Gesetzgebung zu bestimmen,und also für sich selbst praktisch zu sein; wenigstens so viel wir einsehcn können.Das allcrvernünftigste Weltwesen könnte doch immer gewisser Triebfedern,die ihm von Objecten der Neigung Herkommen, bedürfen, um seine Will-kühr zu bestimmen; hiezu aber die vernünftigste Ucberlcgung, sowohl wasdie größte Summe der Triebfedern, als auch die Mittel, den dadurch be-stimmten Zweck zu erreichen, betrifft, anwenden, ohne auch nur die Mög-lichkeit von so etwas, als das moralische schlechthin gebietende Gesetz ist,welches sich als selbst, und zwar höchste Triebfeder ff) ankündigt, zu ahnen.Ware dieses Gesetz nicht in uns gegeben, wir würden es als ein solchesdurch keine Vernunft herausklügeln, oder der Willkühr anschwatze»; unddoch ist dieses Gesetz das einzige, was uns der Unabhängigkeit unserer Will-kühr von der Bestimmung durch alle anderen Triebfedern (unserer Freiheit)und hi-mit zugleich der Zurechnungsfähigkeit aller Handlungen bewußt macht,ff) „welches sich selbst, und zwar als höchste Triebfeder" (?)