Druckschrift 
6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
Entstehung
Seite
182
Einzelbild herunterladen
 

183 Religion innerh. d. Grenzen d. blosen Vernunft, l. Stück.

Entscheidungsart*) gründet sich aus der für die Moral wichtigenBemerkung: die Freiheit der Willkühr ist von der ganz cigenthüm-lichen Beschaffenheit, daß sie durch keine Triebfeder zu einer Hand-

*) -f) Herr Prof. Schiller mißbilligt in seiner mit Meisterhand ver-faßten Abhandlung (Thalia 1793, 3tes Stück) über Anmuth und Würdein der Moral diese Vorstellungsart der Verbindlichkeit, als ob sie eine kar-thäuserartige Gemüthsstimmung bei sich führe; allein ich kann, da wir inden wichtigsten Princivien einig sind, auch in diesem keine Uneinigkeit statuircn;wenn wir uns nur unter einander verständlich machen können. Ich gestehegern: daß ich dem Pflichtbegriffe, gerade um seiner Würde willen,keine Anmuth beigesellen kann. Denn er enthält unbedingte Nöthigung,womit Anmuth in geradem Widerspruch steht. Die Majestät des Gesetzes(gleich dem auf Sinai) flößt Ehrfurcht ein, (nicht Scheu, welche zurückstößt,auch nicht Reiz, der zur Vertraulichkeit cinladet,) welche Achtung des Un-tergebenen gegen seinen Gebieter, in diesem Fall aber, da dieser in unsselbst liegt, ein Gefühl des Erhabenen unserer eigenen Bestimmungerweckt, was uns mehr hinreißt, als alles Schöne. Aber die Tugendd. i- die fest gegründete Gesinnung, seine Pflicht genau zu erfüllen, ist inihren Folgen auch wohlthätig, wehr wie Alles, was Natur oder Kunstin der Welt leisten mag; und das herrliche Bild der Menschheit, in dieser ihrerGestalt aufgestellt, »erstattet gar wohl die Begleitung der Grazien, die aber,wenn noch von Pflicht allein die Rede ist, sich in ehrerbietiger Entfernung halten.Wird aber auf die anmuthigen Folgen gesehen, welche die Tugend, wenn sieüberall Eingang fände, in der Welt verbreiten würde, so zieht alsdann diemoralisch-gerichtete Vernunft die Sinnlichkeit (Lurch die Einbildungskraft)mit ins Spiel. Nur nach bezwungenen Ungeheuern wird Hercules Musagct,vor welcher Arbeit jene guten Schwestern znrückbcben. Diese Begleiterinnender Venus Urania sind Buhlschwestcrn im Gefolge der Venus Dione, sobaldsie sich ins Geschäft der Pflichtbestimmung ein mischen und die Triebfedern da-zu hergeben wollen. Fragt man nun, welcherlei ist die ästhetische Be-schaffenheit, gleichsam das Temperament der Tugend, muthig, mit-hin fröhlich, oder ängstlich-gebeugt und niedergeschlagen? so ist kaum eineAntwort nöthig. Die letztere sklavische Gemüthsstimmung kann nie ohne einenverborgenen Haß des Gesetzes Statt finden, und das fröhliche Herz in B e-folgung seiner Pflicht, (nicht die Behaglichkeit in Anerkennung des-selben) ist ein Zeichen der Aechtheit tugendhafter Gesinnung, selbst in derFrömmigkeit, die nicht in der Selbstpeinigung des reuigen Sünders,(welche sehr zweideutig ist und gemeiniglich nur innerer Borwurf ist, widerdie Klugheitsregel verstoßen zu haben,) sondern im festen Vorsatz, es künftigbesser zu machen besteht, der durch den guten Fortgang angefeuert, einefröhliche Gemüthsstimmung bewirken muß, ohne welche man nie gewiß ist,das Gute auch lieb gewonnen d. i. es in seine Maxime ausgenommenzu haben.

ff) Diese ganze Anmerkung ist Zusatz d. 2. Ausg.

!-

. -nt

«AI

ksi ^

M Hi ^

A ld°>

Ai ksknu ^ich zschtkajchunz vll» »kl« M ir t»ry kk «ttÄiüi tftr», «tn.!ai rta wtiM ki, >>.2t, Tt'tk 2 '>Änn> LlitftTs'th kn Ank iHMch ii. kid<i nui kii< tn nst