Von d. Einwohnung d. bösen Princips neben d. guten. 179
müßte sich aus einigen, ja aus einer einzigen mit Bewußtsein bösenHandlung a priori auf eine böse zum Grunde liegende Maxime,und aus dieser auf einen in dem Subject allgemein liegenden Grundaller besonderen moralisch-bösen Maximen, der selbst wiederum Maxi-me ist, schließen lassen, um einen Menschen böse zu nennen.
Damit man sich aber nicht sofort am Ausdrucke Natur stoße,welcher, wenn er (wie gewöhnlich) das Gegentheil des Grundes derHandlungen ausFreiheit bedeuten sollte, mit den Prädikaten mo-ralisch-gut oder böse in geradem Widerspruch stehen würde; soist zu merken: daß hier unter der Natur des Menschen nur dersubjektive Grund des Gebrauchs seiner Freiheit überhaupt (unterobjektiven moralischen Gesetzen), der vor aller in die Sinne fallendenThat vorhergeht, verstanden werde; dieser Grund mag nun liegen,worin er wolle. Dieser subjektive Grund muß aber immer wiederumselbst ein Actus der Freiheit sein, (denn sonst könnte der Gebrauchoder Mißbrauch der Willkühr des Menschen in Ansehung des sitt-lichen Gesetzes ihm nicht zugerechnet werden, und das Gute oder Bösein ihm nicht moralisch heißen.) Mithin kann in keinem die Willkührdurch Neigung bestimmenden Objecte, in keinem Naturtriebe,sondern nur in einer Regel, die die Willkühr sich selbst für denGebrauch ihrer Freiheit macht, d. i. in einer Maxime der Grunddes Bösen liegen. Von dieser muß nun nicht weiter gefragt werdenkönnen, was der subjektive Grund ihrer Annehmung, und nicht viel-mehr der entgegengesetzten Maxime, im Menschen sei. Denn wenndieser Grund zuletzt selbst keine Maxime mehr, sondern ein bloscrNaturtrieb wäre; so würde der Gebrauch der Freiheit ganz auf
Bestimmung durch Natursachen zurückgeführt werden können; welches
ihr aber widerspricht. Wenn wir also sagen: der Mensch ist von Na-tur gut, oder: er ist von Natur böse, so bedeutet dieses nur soviel, als: er enthält einen (uns unerforschlichen) ersten Grunds
*) Daß der erste subjektive Grund der Annehmung moralischer Maxime»unerforschlich sei, ist daraus schon vorläufig zu ersehen: daß, da diese An-nchmung frei ist, der Grund derselben, (warum ich z. böse und
nicht vielmehr eine gute Maxime angenommen habe,) in keiner Triebfeder
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