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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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178
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178 Religion innerh. d. Grenzen d. blosen Vernunft. I. Stück.

Neuer, aber weit weniger auSgebreitet, ist die entgegengesetzteheroische Meinung, die wohl allein unter Philosophen, und in un-seren Zeiten vornehmlich unter Pädagogen Platz gefunden hat: daßdie Welt gerade in umgekehrter Richtung, nämlich vom Schlechtenzum Besseren, unaufhörlich, (obgleich kaum merklich) fortrücke, wenig-stens die Anlage dazu in der menschlichen Natur anzutrcffen sei.Diese Meinung aber haben sic sicherlich nicht aus der Erfahrunggeschöpft, wenn vom Moralisch-Guten oder Bösen, (nicht vonder Civilisirung) die Rede ist; denn da spricht die Geschichte allerZeiten gar zu mächtig gegen sie; sondern es ist vermuthlich bloseine gutmüthige Voraussetzung der Moralisten von Seneca bis zuRousseau, um zum unverdrossenen Anbau des vielleicht in uns lie-genden Keimes zum Guten anzutreiben, wenn man nur auf einenatürliche Grundlage dazu im Menschen rechnen könne. Hiezu kömmtnoch: daß, da man doch den Menschen von Natur, (d. i. wie ergewöhnlich geboren wird,) als dem Körper nach gesund annehmenmuß, keine Ursache sei, ihn nicht auch der Seele nach ebensowohlvon Natur für gesund und gut anzunehmen. Diese sittliche Anlagezum Guten in uns auszubilden, sei uns also die Natur selbst beför-derlich. Lanabilibus aegrotsmus malis, nosgue rer rsete/e/r ^serr-to« natura, si «anari velimus, ackguvat, sagt Seneca.

Weil es aber doch wohl geschehen sein könnte, daß man sichin beider angeblichen Erfahrung geirrt hätte; so ist die Frage: obnicht ein Mittleres wenigstens möglich sei, nämlich daß der Menschin seiner Gattung weder gut noch böse, oder allenfalls auch eines so-wohl, als das andere, zum Theil gut, zum Theil böse sein könne?Man nennt aber einen Menschen böse, nicht darum, weil er Hand-lungen ausübt, welche böse (gesetzwidrig) sind; sondern weil diese sobeschaffen sind, daß sie auf böse Maximen in ihm schließen lassen.Nun kann man zwar gesetzwidrige Handlungen durch Erfahrung be-merken, auch, (wenigstens an sich selbst,) daß sie mit Bewußtseingesetzwidrig sind; aber die Maximen kann man nicht beobachten, sogarnicht allemal in sich selbst, milhin das Urtheil, daß der Thäter einböser Mensch sei, nicht mit Sicherheit auf Erfahrung gründen. Allo