>84 Religion innerh. d. Grenzen d- blosen Vernunft.
kehren können, objektiv praktische Realität verschafft werden kann.Setzt einen Menschen, der das moralische Gesetz verehrt und sichden Gedanken beifallen läßt, (welches er schwerlich vermeiden kan»,)welche Welt er wohl durch die praktische Vernunft geleitet erschaffenwürde, wenn es in seinem Vermögen wäre, und zwar so, daß e,sich selbst als Glied in dieselbe hineinsetzte, so würde er sie nicktallein gerade so wählen, als es jene moralische Idee vom höchstenGut mit sich bringt, wenn ihm blos die Wahl überlassen wäre,sondern er würde auch wollen, daß eine Welt überhaupt existire,weil das moralische Gesetz will, daß das höchste durch uns möglicheGut bewirkt werde, ob er sich gleich nach dieser Idee selbst in Ge-fahr sieht, für seine Person an Glückseligkeit sehr einzubüßen, weileS möglich ist, daß er vielleicht der Forderung der letzteren, welchedie Vernunft zur Bedingung macht, nicht adäquat sein dürfte; mit-hin würde er dieses Urtheil ganz parteilos, gleich als von einemFremden gefällt, doch zugleich für das seine anzuerkennen sichdurch die Vernunft genöthigt fühlen, wodurch der Mensch das inihm moralisch gewirkte Bedürfniß beweist, zu seinen Pflichten sichnoch einen Endzweck, als den Erfolg derselben, zu denken.
Moral also führt unumgänglich zur Religion, wodurch sie sichzur Idee eines machthabenden moralischen Gesetzgebers außer demMenschen erweitert*), in dessen Willen dasjenige Endzweck (der
*) Der Satz: es ist ein Gott, mithin cs ist ein höchstes Gut in der Weit, wenner (als Glaubenssatz) blos aus der Moral hervorgehen soll, ist ein synthetischer» priori, der, ob er gleich nur in praktischer Beziehung angenommen wirddoch über den Begriff der Pflicht, den die Moral enthalt, (und der keine Masterie der Willkühr, sondern blos formale Gesetze derselben voraussetzt,) hinaus-geht, und aus dieser also analytisch nicht entwickelt werden kann. Wie istaber ein solcher Satz »priori möglich? Das Zusammenstimmcn mitder blosen Idee eines moralischen Gesetzgebers aller Menschen ist zwar mit demmoralischen Begriffe von Pflicht überhaupt identisch, und sofern wäre der Satz,der diese Zusammenstimmung gebietet, analytisch. Aber die Annehmung seinesDaseins sagt mehr, als die blose Möglichkeit eines solchen Gegenstandes. DenSchlüssel zur Auflösung dieser Aufgabe, soviel ich davon einzuschen glaube,kann ich hier nur anzeigen, ohne sic auözuführen.
Zweck ist jederzeit der Gegenstand einer Zuneigung, das ist, einerunmittelbaren Begierde zum Besitz einer Sache, vermittelst seiner Handlung;