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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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Versuche in der Theodicee.

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stcllung eines aufrichtigen, von aller Falschheit und positiven Verstellungentfernten Charakters; da doch die Ehrlichkeit, eine blose Einfalt undGeradheit der Denkungsart, (vornehmlich wenn man ihr die Offen-herzigkeit erläßt,) das Kleinste ist, was man zu einem guten Charak-ter nur immer fordern kann, und daher nicht abzusehen ist, woraufsich denn jene Bewunderung gründe, die wir einem solchen Gegen-stände widmen; es müßte denn sein, daß die Aufrichtigkeit die Ei-genschaft wäre, von der die menschliche Natur gerade am Weitestenentfernr ist. Eine traurige Bemerkung! Indem eben durch jene alleübrige Eigenschaften, sofern sie auf Grundsätzen beruhen, allein eineninneren wahren Werth haben können. Ein kontemplativer Misanthrop,(der keinem Menschen Böses wünscht, wohl aber geneigt ist, vonihnen alles Böse zu glauben,) kann nur zweifelhaft sein, ob er dieMenschen Hassens-, oder ob er sie eher -verachtungswürdigfinden solle. Die Eigenschaften, um deren willen er sie für die ersteBegegnung qualisicirt zu sein urtheilen würde, sind die, durch welchesie vorsätzlich schaden. Diejenige Eigenschaft aber, welche sie ihmeher der letzteren Abwürdigung auszusetzen scheint, könnte keine an-dere sein, als ein Hang, der an sich böse ist, ob er gleich Nie-manden schadet: ein Hang zu demjenigen, was zu keiner Absichtals Mittel gebraucht werden soll; was also objectiv zu nichts gutist. Das erstere Böse wäre wohl kein anderes, al§ das der Feind-seligkeit (gelinder gesagt, Lieblosigkeit); das zweite kann kein an-deres sein, als Lügenhaftigkeit (Falschheit, selbst ohne alle Ab-sicht zu schaden). Die erste Neigung hat eine Absicht, deren Ge-brauch doch in gewissen anderen Beziehungen erlaubt und gut seinkann, z. B. die Feindseligkeit gegen unbefserliche Friedensstörer.Der zweite Hang aber ist der zum Gebrauch eines Mittels (derLüge), das zu nichts gut ist, zu welcher Absicht es auch sei, weiles an sich selbst böse und verwerflich ist. In der Beschaffenheit desMenschen von der ersten Art ist Bosheit, womit sich doch nochTüchtigkeit zu guten Zwecken in gewissen äußeren Verhältnissen ver-binden läßt, und sie sündigt nur in den Mitteln, die doch auch nichtin aller Absicht verwerflich sind. Das Böse von der letzteren Art