158 Ueber das Mißlingen aller philosophischen Versuche in derTheodicee.
ist Nichtswürdigkeit, wodurch dem Menschen aller Charakterabgesprochen wird. — Ich halte mich hier hauptsächlich ander tief imVerborgenen liegenden Unlauterkeit, da der Mensch sogar die innerenAussagen vor seinem eigenen Gewissen zu verfälschen weiß. Um destoweniger darf die äußere Betrugsneigung befremden; cs müßte denndieses sein, daß, obzwar ein Jeder von der Falschheit der Münze be-lehrt ist, mit der er Verkehr treibt, sie sich dennoch immer so gutim Umlaufe erhalten kann.
In Herrn de Luc's Briefen über die Gebirge, die Geschichteder Erde und Menschen, erinnere ich mich folgendes Resultat seinerzum Theil anthropologischen Reise gelesen zu haben. Der menschen-freundliche Verfasser war mit der Voraussetzung der ursprünglichenGutartigkeit unserer Gattung ausgegangen, und suchte die Bestäti-gung derselben da, wo städtische Ueppigkeit nicht solchen Einflußhaben kann, Gemüther zu verderben, in Gebirgen, von den Schwei-zerischen an bis zum Harze; und nachdem sein Glaube anuneigennützig hülfleistende Neigung durch eine Erfahrung in den el-fteren etwas wankend geworden, so bringt er doch am Ende dieseSchlußfolge heraus: daß der Mensch, was das Wohlwollenbetrifft, gut genug sei, (kein Wunder! denn dieses beruht aufeingepflanzter Neigung, wovon Gott der Urheber ist;) wenn ihmnur nicht ein schlimmer Hang zur feinen Betrügereibeiwohnte, (welches auch nicht zu verwundern ist; denn diese ab-zuhalten, beruht auf dem Charakter, welchen der Mensch selber insich bilden muß!) — Ein Resultat der Untersuchung, welches einJeder, auch ohne in Gebirge gereist zu sein, unter seinen Mitbürgern,ja noch näher, in seinem eigenen Busen hätte antreffen können.