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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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Ueber das Mißlingen aller philosophischen

würfe wider die göttliche Weisheit den Namen einer Theodicee nichtversagen, wenn sie ein göttlicher Machtspruch, oder, (welchesin diesem Falle auf Eins hinausläuft,) wenn sie ein Ausspruch der-selben Vernunft ist, wodurch wir uns den Begriff von Gott alseinem moralischen und weisen Wesen nothwendig und vor aller Er-fahrung machen. Denn da wird Gott durch unsere Vernunft selbstder Ausleger seines durch die Schöpfung verkündigten Willens; unddiese Auslegung können wir eine authentische Theodicee nennen.Das ist aber alsdann nicht Auslegung einer vernünftelnden(speculativen), sondern einer machthabenden praktischen Vernunft,die, sowie sie ohne weitere Gründe im Gesetzgeben schlechthin gebie-tend ist, als die unmittelbare Erklärung und Stimme Gottes ange-sehen werden kann, durch die er dem Buchstaben seiner Schöpfungeinen Sinn gibt. Eine solche authentische Interpretation finde ichnun in einem alten heiligen Buche allegorisch ausgedrückt.

Hiob wird als ein Mann vorgestellt, zu dessen Lebensgenußsich Alles vereinigt hatte, was man, um ihn vollkommen zu machen,nur immer ausdenken mag. Gesund, wohlhabend, frei, ein Gebieterüber Andere, die er glücklich machen kann, im Schooße einer glück-lichen Familie, unter geliebten Freunden; und über das Alles, (wasdas Vornehmste ist,) mit sich selbst zufrieden in einem guten Ge-wissen. Alle diese Güter, das letzte ausgenommen, entriß ihm plötz-lich ein schweres über ihn zur Prüfung verhängtes Schicksal. Vonder Betäubung über diesen unerwarteten Umsturz allmählig zumBesinnen gelangt, bricht er nun in Klagen über seinen Unstern aus;worüber zwischen ihm und seinen vorgeblich sich zum Trösten ein-sindendcn Freunden eS bald zu einer Disputation kömmt, worinbeide Theile, jeder nach seiner Denkungsart, (vornehmlich aber nachseiner Lage,) seine besondere Theodicee zur moralischen Erklärungjenes schlimmen Schicksals ausstellt. Die Freunde Hiob's bekennensich zu dem System der Erklärung aller Uebel in der Welt aus dergöttlichen Gere chtigkeit, als so vieler Strafen für begangene Ver-brechen; und ob sie zwar keine zu nennen wußten, die dem unglück-ichen Manne zu Schulden kommen sollten, so glaubten sie doch

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