148 Ueber das Mißlingen aller philosophischen
Menschen mit einer göttlichen Gerechtigkeit, nach den Begriffen, diewir uns von ihr machen, so wenig dort, wie hier zu erwarten sei.
Der Ausgang dieses Rechtshandels vor dem Gerichtshöfe derPhilosophie ist nun: daß alle bisherige Theodicee das nicht leiste,was sie verspricht, nämlich die moralische Weisheit in der Weltrc-gierung gegen die Zweifel, die dagegen aus dem, was die Erfahrungan dieser Welt zu erkennen gibt, gemacht werden, zu rechtfertigen;obgleich freilich diese Zweifel als Einwürfe, so weit unsere Einsichtin die Beschaffenheit unserer Vernunft in Ansehung der letzterenreicht, auch das Gegentheil nicht beweisen können. Ob aber nichtnoch etwa mit der Zeit tüchtigere Gründe der Rechtfertigung der-selben erfunden werden könnten, die angeklagte Weisheit nicht, (wiebisher,) blos »d instantia zu absolviren, das bleibt dabei doch im-mer unentschieden; wenn wir es nicht dahin bringen, mit Gewißheitdarzuthun: daß unsere Vernunft zur Einsicht des Verhältnisses,in welchem eine Welt, so wie wir sie durch Erfahrungimmer kennen mögen, zu der höchsten Weisheit stehe,schlechterdings unvermögend sei; denn alsdann sind alle ferneren Ver-suche vermeintlicher Weisheit, die Wege der göttlichen einzusehen,völlig abgewiesen. Daß also wenigstens eine negative Weisheit, näm-lich die Einsicht der nothwendigen Beschränkung unserer Anmaßun-gen in Ansehung dessen, was uns zu hoch ist, für uns erreichbarsei, das muß noch bewiesen werden, um diesen Proceß für immerzu endigen; und dieses läßt sich gar wohl thun.
Wir haben nämlich von einer Kunstweisheit in der Ein-richtung dieser Welt einen Begriff, dem es für unser spekulativesVernunstvermögen nicht an objektiver Realität mangelt, um zu einerPhysikotheologie zu gelangen. Ebenso haben wir auch einen Begriffvon einer moralischen Weisheit, die in eine Welt überhauptdurch einen vollkommensten Urheber gelegt werden könnte, an dersittlichen Idee unserer eigenen praktischen Vernunft. — Aber vonder Einheit in der Zusammenstimmung jener Kunstweisheit
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