Druckschrift 
6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
Entstehung
Seite
146
Einzelbild herunterladen
 

148 Ueber das Mißlingen aller philosophischen

Gesetz in ihm mißbilligt, bestraft. Allein wo diese Denkungsart undmit ihr die Gewissenhaftigkeit gar fehlt, da fehlt auch der Peinigerfür begangene Verbrechen; und der Lasterhafte, wenn er nur denäußeren Züchtigungen wegen seiner Frevelthaten entschlüpfen kann,lacht über die Aengstlichkeit der Redlichen, sich mit selbsteigenen Ver-weisen innerlich zu plagen; die kleinen Vorwürfe aber, die er sichbisweilen machen mag, macht er sich entweder gar nicht durchs Ge-wissen, oder, hat er davon noch etwas in sich, so werden sie durchdas Sinnenvergnügen, als woran er allein Geschmack findet, reich-lich ausgewogen und vergütet.-Wenn jene Anklage ferner

d) dadurch widerlegt werden soll: daß zwar nicht zu leugnensei, es finde sich schlechterdings kein der Gerechtigkeit gemäßes Vcr-hältniß zwischen Schuld und Strafen in der Welt, und man müsseim Laufe derselben oft ein mit schreiender Ungerechtigkeit geführtes,und gleichwohl bis ans Ende glückliches Leben mit Unwillen wahr-nehmen; daß dieses aber in der Natur liegende, und nicht absicht-lich veranstaltete, mithin nicht moralische Mißhelligkeit sei, weil eSeine Eigenschaft der Tugend sei, mit Widerwärtigkeiten zu ringen,(wozu der Schmerz, den der Tugendhafte durch die Vergleichungseines eigenen Unglücks mit dem Glück des Lasterhaften leiden muß,mitgehört,) und die Leiden den Werth der Tugend nur zu erhebendienen, mithin vor der Vernunft diese Dissonanz der unverschuldetenUebel des Lebens doch in dem herrlichsten sittlichen Wohllaut aufge-löst werde; so steht dieser Auflösung entgegen: daß, obgleich dieseUebel, wenn sie als Wetzstein der Tugend vor ihr vorhergehenoder sie begleiten, zwar mit ihr als in moralischer Uebereinstimmungstehend vorgestellt werden können, wenn wenigstens daS Ende des Le-bens noch die letztere krönt und das Laster bestraft; daß aber, wennselbst dieses Ende, wie doch die Erfahrung davon viele Beispielegibt, widersinnig ausfällt, dann das Leiden dem Tugendhaften, nichtdamit seine Tugend rein sei, sondern weil fix es gewesen ist, (da-gegen aber den Regeln der klugen Selbstliebe zuwider war,) zuge-fallen zu sein scheine; welches gerade das Gegentheil der Gerechtig-keit ist, wie sich der Mensch einen Begriff von ihr machen kann.

Oltl

»A''"

.-B"

.-A t-r r-a!''

I r"

Ä, Mist r:

A, «sni Ä- ic--ML«

Ä L'>