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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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Versuche in der Theodicee.

I. Das schlechthin Zweckwidrige, welches weder als Zweck, nochals Mittel von einer Weisheit gebilligt und begehrt werden kann.

II. Das bedingt Zweckwidrige, welches zwar nie als Zweck,aber doch als Mittel, mit der Weisheit eines Willens zusammenbesteht.

Das Erste ist das moralische Zweckwidrige, als das eigentlicheBöse (die Sünde); das Zweite das physische Zweckwidrige, daSUebel (der Schmerz). Nun gibt es aber noch eine Zweckmäßig-keit in dem Verhältniß der Uebel zu dem moralischen Bösen, wenndas Letztere einmal da ist und nicht verhindert werden konnte odersollte: nämlich in der Verbindung der Uebel und Schmerzen, alsStrafen, mit dem Bösen, als Verbrechen; und von dieser Zweckmä-ßigkeit in der Welt fragt es sich, ob Jedem in der Welt hierin seinRecht widerfährt. Folglich muß auch noch eine

Ulte Art des Zweckwidrigen in^der Welt gedacht werden kön-nen, nämlich das Mißverhältniß der Verbrechen und Strafen inder Welt.

Die Eigenschaften der höchsten Weisheit des WelturheberS, wo«gegen jene Zweckwidrigkciten als Einwürfe auftretcn, sind alsoauch drei:

Erstlich die Heiligkeit desselben, als Gesetzgebers (Schö-pfers), im Gegensätze mit dem moralischen Bösen in der Welt.

Zweitens die Gütigkeit desselben, als Regierers (Erhalters),im Contraste mit den zahllosen Uebeln und Schmerzen der vernünfti-gen Weltwesen.

Drittens die Gerechtigkeit desselben, als Richters, in Ver-gleichung mit dem Ucbelstande, den das Mißverhältniß zwischen derStraflosigkeit der Lasterhaften und ihren Verbrechen in der Welt zuzeigen scheint *).

*) Diese drei Eigenschaften zusammen, deren eine sich keinesweges auf dieandere, wie etwa die Gerechtigkeit und Güte, und so das Ganze auf einekleinere Zahl, zurückführcn laßt, machen Len moralischen Begriff non Gottaus. Es läßt sich auch die Ordnung derselben nicht verändern, (wie etwa dieGütigkeit zur obersten Bedingung der Weltschopfung machen, der die Heiligkeit