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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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140
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14 V Ueber das Mißlingen aller philosophischen

Weisheit des Welturhebcrs, welches sofort alle Zweifel, die sich da-gegen regen möchten, auch ohne Untersuchung für grundlos erklärt,abfertigen; sondern muß sich aus die Einwürfe einlassen, und, wiesie dem Begriff der höchsten Weisheit *) keinesweges Abbruch thun,durch Beleuchtung und Tilgung derselben begreiflich machen. Dochauf Eines hat er nicht nöthig, sich einzulassen, nämlich daß er diehöchste Weisheit Gottes aus dem, was die Erfahrung an dieser Weltlehrt, auch sogar beweise; denn hiemit würde es ihm auch schlech-terdings nicht gelingen, weil Allwissenheit dazu erforderlich ist, uman einer gegebenen Welt, (wie sie sich in der Erfahrung zu erken-nen gibt,) diejenige Vollkommenheit zu erkennen, von der man mitGewißheit sagen könne, es sei überall keine größere in der Schöpfungund Regierung derselben möglich.

Das Zweckwidrige in der Welt aber, was der Weisheit ihresUrhebers entgegengesetzt werden könnte, ist nun dreifacher Art:

*) Obgleich der eigenthümliche Begriff einer Weisheit nur die Eigen-schaft eines Willens verstellt, zum höchsten Gut, als dem Endzweck allerDinge, zusammcnzustimmcn; hingegen Kunst nur das Vermögen im Gebrauchder tauglichsten Mittel zu beliebigen Zwecken; so wird Loch Kunst, wennsie sich als eine solche beweist, welche Ideen adäquat ist, deren Möglichkeit alleEinsicht der menschlichen Vernunft übersteigt, (z. B. wenn Mittel und Zwecke,wie in organischen Körpern, einander wechselseitig hcrvorbringen,) als einegöttliche Kunst, nicht unrecht auch mit dem Namen der Weisheit belegtwerden können; doch um die Begriffe nicht zu verwechseln, mit dem Nameneiner Kunst Weisheit des Welturhebcrs zum Unterschiede von der mora-lischen Weisheit desselben. Die Teleologie, (auch Lurch sic die Physiko-thcologie) gibt reichliche Beweise der crstercn in der Erfahrung. Aber vonihr gilt kein Schluß auf die moralische Weisheit des Welturhebcrs, weil Na-turgesetz und Sittengesetz zwei ganz ungleichartige Principien erfordern, undder Beweis der letzteren Weisheit gänzlich -> priori geführt, also schlechterdingsnicht auf Erfahrung von dem, was in der Welt vergeht, gegründet werdenmuß. Da nun der Begriff von Gott, der für die Religion tauglich sein soll,(denn zum Behuf der Naturcrklärung, mithin i» spcculativer Absicht, brauche»wir ihn nicht,) ein Begriff von ihm als einem moralischen Wesen sein muß;da dieser Begriff, so wenig als er auf Erfahrung gegründet, eben so wenigaus bloS transicendentalen Begriffen eines schlechthin nothwcndigcn Wesens,der gar für uns überschwenglich ist, hcrauSgebracht werden kann; so leuchtetgenugsam ein, daß der Beweis des Daseins eines solchen Wesens kein anderer,als ein moralischer sein könne.