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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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Bemerkungen zu Jakob's Prüfung

strenge Kritik die Flügel beschnitten werden, jener Glaube in einerpraktisch-wohlgegründeten, theoretisch aber unwiderleglichen Boraus-setzung völlig gesichert sein kann. Daher ist eine Widerlegung jenerAnmaßungen, so gut sie auch gemeint sein mögen, der Sache selbst,weit gefehlt nachtheilig zu sein, vielmehr sehr beförderlich, ja unum-gänglich nöthig.

Diese hat nun der Herr Verfasser des gegenwärtigen Werksübernommen, und, nachdem er mir ein kleines Probestück desselbenmitgetheilt hat, welches von seinem Talent der Einsicht sowohl, alsPopularität zeugt, mache ich mir ein Vergnügen, diese Schrift miteinigen Betrachtungen, welche in diese Materie einschlagen, zubegleiten.

In den Morgenstunden bedient sich der scharfsinnige Men-delssohn, um dem beschwerlichen Geschäfte der EntscheidungdeS Streits der reinen Vernunft mit ihr selbst durch vollständigeKritik dieses ihres Vermögens überhoben zu sein, zweier Kunststücke,deren sich auch wohl sonst bequeme Richter zu bedienen pflegen,nämlich, den Streit entweder gütlich beizulegen, oder ihn, alsfür gar keinen Gerichtshof gehörig, abzuweisen.

Die erste Maxime steht S. 214, erste Auflage: Sie wissen,wie sehr ich geneigt bin, alle Streitigkeiten der philo-sophischen Schulen für blose Wortstreitigkeiten zu er-klären, oder doch wenigstens ursprünglich von Wort-streitigkeiten herzuleiten; und dieser Maxime bedient er sichfast durch alle polemische Artikel des ganzen Werks. Ich bin hin-gegen einer ganz entgegengesetzten Meinung, und behaupte, daß inDingen, worüber man, vornehmlich in der Philosophie, eine geraumegcit hindurch gestritten hat, niemals eine Wortstreitigkeit zum Grundegelegen habe, sondern immer eine wahrhafte Streitigkeit über Sachen.Denn obgleich in jeder Sprache einige Worte in mehrerer und ver-schiedener Bedeutung gebraucht werden, so kann eS doch gar nichtlange währen, bis die, so sich im Gebrauche desselben Anfangs ver-uneinigt haben, den Mißverstand bemerken, und sich an deren Stattanderer bedienen; daß cs also am Ende eben so wenig wahre Ho-

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