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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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124 Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes-

sondern auch auf alle Weise würdig durch vereinigte Bemühungenzur gehörigen Vollkommenheit gebracht zu werden. Die Dinge derWelt, welche sich unseren Sinnen offenbaren, zeigen sowohl deutlicheMerkmale ihrer Zufälligkeit, als auch durch die Größe, die Ordnungund zweckmäßigen Anstalten, die man allenthalben gewahr wird,Beweisthümer eines vernünftigen Urhebers von großer Weisheit,Macht und Güte- Die große Einheit in einem so weitläustigenGanzen läßt abnehmcn, daß nur ein einziger Urheber aller dieserDinge sei, und wenngleich in allen diesen Schlüssen keine geometrischeStrenge hervorblickt, so enthalten sie doch unstreitig so viel Nach-druck, daß sie einen jeden Vernünftigen nach Regeln, die der na-türliche gesunde Verstand befolgt, keinen Augenblick hierüber im Zwei-fel lassen.

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Es sind überhaupt nur zwei Beweise vom Dasein Got-tes möglich.

Aus allen diesen Beurtheilungcn ist zu ersehen: daß, wenn manaus Begriffen möglicher Dinge schließen will, kein anderes Argu-ment für das Dasein Gottes möglich sei, als dasjenige, woselbst dieinnere Möglichkeit aller Dinge als etwas angesehen wird, was ir-gend ein Dasein voraussctzt, wie cs von uns in der ersten Abthei-lung dieses Werks geschehen ist. Jmgleichen erhellt, daß, wenn vondem, was uns Erfahrung von cxistirenden Dingen lehrt, der Schlußzu ebenderselben Wahrheit soll hinaufstcigen, der Beweis nur durchdie in den Dingen der Welt wahrgenommenen Eigenschaften unddie zufällige Anordnung des Wcltganzen auf das Dasein sowohl,als auch die Beschaffenheit der obersten Ursache kann geführt wer-den. Man erlaube mir, daß ich den ersten Beweis den ontologischen,den zweiten aber den kosmologischen nenne.

Dieser kosmologische Beweis ist, wie mich dünkt, so alt, wiedie menschliche Vernunft. Er ist so natürlich, so einnehmend underweitert sein Nachdenken auch so sehr mit dem Fortgang unsererEinsichten, daß er so lange dauern muß, als es irgend ein vernünf-

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