122 Beweisgrund zu einer Demonstration des Dasein» Gottes.
ein göttliches Dasein müssen gefolgert werden. Daß dieses gesche-hen könne, ist in der ganzen ersten Abtheilung dieses Werks gewie-sen worden.
3.
Prüfung der Beweisgründe der zweiten Art.
Der Beweis, da man aus den Erfahrungsbegriffen, von dem,was da ist, auf die Existenz einer ersten und unabhängigen Ursachenach den Regeln der Causalschlüffe, aus dieser aber durch logischeZergliederung des Begriffes auf die Eigenschaften derselben, welcheeine Gottheit bezeichnen, kommen will, ist berühmt, und vornehm-lich durch die Schule der Wolf'schen Philosophen sehr in Ansehengebracht worden, allein er ist gleichwohl ganz unmöglich. Ich räumeein, daß bis zu dem Satze: wenn etwas da ist, so existirtauch etwas, was von keinem anderen Dinge abhängt,Alles regelmäßig gefolgert sei, ich gebe also zu, daß das Dasein ir-gend eines oder mehrerer Dinge, die weiter keine Wirkungen voneinem anderen sind, wohl erwiesen darliege. Nun ist der zweiteSchritt zu dem Satze: daß dieses unabhängige Ding schlechter-dings nothwendig sei, schon viel weniger zuverlässig, da er ver-mittelst des Satzes vom zureichenden Grunde, der noch immer an-gcfochtcn wird, geführt werden muß; allein ich trage kein Bedenken,auch bis so weit Alles zu unterschreiben. Es existirt demnach etwasschlechterdings nothwendiger Weise. Aus diesem Begriffe des abso-lut nothwendigen Wesens sollen nun seine Eigenschaften der höchstenVollkommenheit und Einheit hergcleitct werden. Der Begriff derabsoluten Nothwcndigkeit aber, der hier zum Grunde liegt, kann aufzwiefache Art genommen werden, wie in der ersten Abtheilung ge-zeigt ist. In der ersten Art, da sie die logische Nothwcndigkeit vonuns genannt worden, müßte gezeigt werden: daß das Gegentheil des-jenigen Dinges sich selbst widerspreche, in welchem alle Vollkom-menheit oder Realität anzutreffen, und also dasjenige Wesen einzigund allein schlechterdings nothwendig im Dasein sei, dessen Prädi-kate alle wahrhaftig bejahend sind. Und da aus ebenderselben durch-
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