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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
Entstehung
Seite
115
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II. Abth. 8. Bett. Von der göttlichen Allgenugsamkelt. 115

setzen, ohne öfteren Widerstreit in einem regelmäßigen Plane zusam-mcnzupasscn, müssen zuvörderst in den Möglichkeiten der Dinge an-getroffen werden, und nur alsdenn kann Weisheit thälig sein, siezu wählen. Welche Schranken, die dem Unabhängigen aus einemfremden Grunde gesetzt sein würden, wenn selbst diese Möglichkeitennicht in ihm gegründet wären? Und was für ein unverständlichesLhngefähr, daß sich in diesem Felde der Möglichkeit, ohne Voraus-setzung irgend eines Existirenden, Einheit und fruchtbare Zusammen-passung findet, dadurch das Wesen von den höchsten Graden derMacht und Weisheit, wenn jene äußeren Verhältnisse mit seineninneren Vermögen verglichen werden, sich im Stande sieht, großeVollkommenheit zuwege zu bringen? Gewiß eine solche Vorstel-lung überliefert nimmermehr den Ursprung des Guten ohne allenAbbruch in die Hand eines einzigen Wesens. Als Huygens diePendeluhr erfand, so konnte er, wenn er daran dachte, sich dieseGleichförmigkeit, welche ihre Vollkommenheit ausmacht, -nimmergänzlich beimessen; die Natur der Cykloide, die es möglich macht,daß kleine und große Bogen durch freien Fall in derselben in glei-cher Zeit beschrieben werden, konnte diese Ausführung lediglich inseine Gewalt setzen. Daß aus dem einfachen Grunde der Schwereso ein großer Umfang von schönen Folgen auch nur möglich ist,würde, wenn es nicht von dem, der durch wirkliche Ausübungallen diesen Zusammenhang hervorgebracht hat, selbst abhinge, seinenAntheil an der reizenden Einheit und dem großen Umfange so vielerauf einem einzigen Grunde beruhender Ordnung offenbar schmälernund theilen.

Die Bewunderung über die Abfolge einer Wirkung aus einerUrsache hört auf, sobald ich dje Zulänglichkeit der Ursache zu ihrdeutlich und leicht einsehe. Auf diesen Fuß kann keine Bewunde-rung mehr Statt finden, wenn ich den mechanischen Bau desmenschlichen Körpers, oder welcher künstlichen Anordnung ich auchwill, als ein Weck des Allmächtigen betrachte und blos auf dieWirklichkeit sehe. Denn es ist leicht und deutlich zu verstehen: daßder, so Alles kann, auch eine solche Maschine, wenn sie möglich