94 Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes.
Raum so einschließt, daß sie zugleich, äußerlich mit anderen gleichenFiguren zusammengesetzt, keine Zwischenräume übrig läßt. Es bie-tet sich hier sehr bald diese Bemerkung dar, daß die Gegenvcrhält-niß des Größesten und Kleinsten im Raume auf die Gleichheit an-kommt. Und da die Natur sonsten viel Fälle einer nothwendigcnGleichheit an die Hand gibt, so können die Regeln, die man ausden gedachten Fällen der Geometrie in Ansehung des allgemeinenGrundes solcher Gegcnverhältniß des Größesten und Kleinsten zieht,auch auf die nothwendige Beobachtung des Gesetzes der Sparsam-keit in der Natur angewandt werden. In den Gesetzen des Stoßesist insoferne jederzeit eine gewisse Gleichheit nothwendig: daß, nachdem Stoße, wenn sie unelastisch sind, beider Körper Geschwindigkeitjederzeit gleich sei, daß, wenn sie elastisch sind, beide durch die Fe-derkraft immer gleich gestoßen werden, und zwar mit einer Kraft,womit der Stoß geschähe, daß der Mittelpunct der Schwere beiderKörper durch den Stoß in seiner Ruhe oder Bewegung gar nichtverändert wird rc. re. Die Verhältnisse des Raums sind so unend-lich mannigfaltig, und verstatten gleichwohl eine so gewisse Erkennl-niß und klare Anschauung, daß, gleichwie sie schon öfters zu Sym-bolen der Erkenntnisse von ganz anderer Art vortrefflich gedient ha-ben, (z. E. die Erwartungen in den Glücksfällen auszudrücken,) alsoauch Mittel an die Hand geben können, die Regeln der Vollkom-menheit in natürlich nothwendigen Wirkungsgesetzen, insoferne sie aufVerhältnisse ankommen, aus den einfachsten und allgemeinsten Grün-den zu erkennen.
Ehe ich diese Betrachtung beschließe, will ich alle verschiedenenGrade der philosophischen Erklärungsart der in der Welt vorkom-menden Erscheinungen der Vollkommenheit, insoferne man sie ins-gesammt unter Gott betrachtet, anführen, indem ich von derje-nigen Art zu urtheilcn anfangc, wo die Philosophie sich noch ver-birgt, und bei derjenigen endige, wo sie ihre größte Bestrebung zeigt.Ich rede von der Ordnung, Schönheit und Anständigkeit, insofernesie der Grund ist, die Dinge der Welt auf eine der Weisheit an-ständige Art einem göttlichen Urheber unterzuordncn.
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