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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
Entstehung
Seite
26
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2» Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes-

irgend einem Dinge sei. Obgleich meine Absicht hier gar nicht ist,mit Widerlegungen mich einzulasscn, und meiner Meinung nach,wenn ein Verfasser mit vorurtheilssrcier Denkungsart Anderer Ge-danken gelesen und durch damit verknüpftes Nachdenken sie sich eigengemacht hat, das Urtheil über seine neuen und abweichenden Lehr-sätze ziemlich sicher dem Leser überlassen kann, so will ich doch nurmit wenig Worten darauf führen.

Die Wolf'sche Erklärung des Daseins, daß es eine Ergänzungder Möglichkeit sei, ist offenbar sehr unbestimmt. Wenn man nichtschon vorher weiß, was über die Möglichkeit in einem Dinge kanngedacht werden, so wird man cs durch diese Erklärung nicht lernen.Baumgarten führt die durchgängige innere Bestimmung, insofern siedasjenige ergänzt, was durch die im Wesen liegenden oder darausfließenden Prädicate unbestimmt gelassen ist, als dasjenige an, wasim Dasein mehr, als in der blosen Möglichkeit ist; allein wir habenschon gesehen, daß in der Verbindung eines Dinges mit allen er-denklichen Prädicaten niemals ein Unterschied desselben von einemblos Möglichen liege. Ucberdem kann der Satz: daß ein möglichesDing, als -ein solches betrachtet, in Ansehung vieler Prädicate unbe-stimmt sei, wenn er so nach dem Buchstaben genommen wird, einegroße Unrichtigkeit veranlassen. Denn die Regel der Ausschließungeines Mittleren zwischen zwei widersprechend Entgegengesetzten ver-bietet dieses, und cs ist daher z. E. ein Mensch, der nicht eine ge-wisse Statur, Zeit, Alter, Ort u. dgl. hätte, unmöglich. Manmuß ihn vielmehr in diesem Sinne nehmen: durch die an einemDinge zusammengedachten Prädicate sind viele andere ganz und garnicht bestimmt, so wie durch dasjenige, was in dem Begriff einesMenschen, als eines solchen zusammengenommen ist, in Ansehungder besonderen Merkmale des Alters, Orts u. s. w. nichts ausge-macht wird. Aber diese Art der Unbestimmtheit ist alsdenn eben-sowohl bei einem Existirenden, als bei einem blos möglichen Dingeanzutreffen, weswegen dieselbe zu keinem Unterschiede beider kanngebraucht werden. Der berühmte Crusius rechnet das Irgendwound Jrgendwenn zu den untrüglichen Bestimmungen des Daseins.