21
I. Abth. I. Betracht. Vom Dasein überhaupt.
haben, die uns aus einen, fremden Jrrthum in den ihrigen habenziehen wollen.
1 .
Das Dasein ist gar kein Prädicat oder Determinationvon irgend einem Dinge.
Dieser Satz scheint seltsam und widersinnig, allein er ist un-gezweifelt gewiß. Nehmet ein Subject, welches ihr wollt, z. E. denJulius Cäsar. Fasset alle seine erdenklichen Prädicate, selbst dieder Zeit und des Orts nicht ausgenommen, in ihm zusammen, sowerdet ihr bald begreifen, daß er mit allen diesen Bestimmungeneristiren, oder auch nicht eristiren kann. Das Wesen, welches die-ser Welt und diesem Helden in derselben das Dasein gab, konntealle diese Prädicate, nicht ein einziges ausgenommen, erkennen und "ihn doch als ein blos mögliches Ding ansehen, das, seinen Rath-schluß ausgenommen, nicht existirt. Wer kann in Abrede ziehen,daß Millionen von Dingen, die wirklich nicht da sind, nach allenPrädicate», die sie enthalten würden, wenn sie existirten, blos mög-lich seien; daß in der Vorstellung, die das höchste Wesen von ihnenhat, nicht eine einzige ermangele, obgleich das Dasein nicht mitdarunter ist, denn es erkennt sie nur als mögliche Dinge. Es kannalso nicht Statt finden, daß, wenn sie existiren, sie ein Prädicatmehr enthielten; denn bei der Möglichkeit eines Dinges nach seinerdurchgängigen Bestimmung kann gar kein Prädicat fehlen. Undwenn es Gott gefallen hätte, eine andere Reihe der Dinge, eineandere Welt zu schaffen, so würde sie mit allen den Bestimmungenund keinen mehr existirt haben, die er an ihr doch erkennt, ob siegleich blos möglich ist.
Gleichwohl bedient man sich des Ausdrucks vom Dasein alseines Prädicats, und man kann dieses auch sicher und ohne bcsorg-liche Jrrthümer thun, so lange man es nicht darauf aussetzt, dasDasein aus blos möglichen Begriffen herleiten zu wollen, wie manzu thun pflegt, wenn man die absolut nothwcndige Existenz be-