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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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22 Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes.

weisen will. Denn alsdann sucht man umsonst unter den Prä-

dicaten eines solchen möglichen Wesens, das Dasein findet sichgewiß nicht darunter. Es ist aber das Dasein in den Fallen, daes im gemeinen Redegebrauch als ein Prädicat vorkömmt, nichtsowohl ein Prädicat von dem Dinge selbst, als vielmehr von demGedanken, den man davon hat. Z. E. dem Seeeinhorn kommtdie Existenz zu, dem Landeinhsrn nicht. Es will dieses nichtsAnderes sagen, als: die Vorstellung des Seeeinhorns ist ein Er-sahrungsbegriff, das ist, die Vorstellung eines existirenden Dinges.Daher man auch, um die Richtigkeit des Satzes von dem Daseineiner solchen Sache darzuthun, nicht in dem Begriffe des Subjectssucht, denn da findet man nur Prädicate der Möglichkeit, sondernin dem Ursprünge der Erkenntniß, die ich davon habe. Ich habe,sagt man, es gesehen, oder von denen vernommen, die cs gesehenhaben. Es ist daher kein völlig richtiger Ausdruck, zu sagen: einSeceinhorn ist ein existirend Thier, sondern umgekehrt, einem ge-wissen existirenden Seethiere kommen die Prädicate zu, die ich aneinem Einhorn zusammen gedenke. Nicht: regelmäßige Sechseckeexistircn in der Natur, sondern gewissen Dingen in der Natur,wie den Bienenzellcn oder dem Bcrgkrystall kommen die Prädicatezu, die in einem Sechsecke beisammen gedacht werden. Eine jedemenschliche Sprache hat von den Zufälligkeiten ihres Ursprungseinige nicht zu ändernde Unrichtigkeiten, und es würde grüblerischund unnütze sein, wo in dem gewöhnlichen Gebrauche gar keineMißdeutungen daraus erfolgen können, an ihr zu künsteln und ein-zuschränken, genug, daß in den seltneren Fällen einer höher gestei-gerten Betrachtung, wo es nöthig ist, diese Unterscheidungen bci-gcfügt werden. Man wird von dem hier Angeführten nur allererstzureichend urtheilen können, wenn man das Folgende wird gelesenhaben.