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Versuch einiger Betrachtungen
Gott beliebt habe, unter allen möglichen Welten diese zu wählen,nicht weil sie besser war, als die übrigen, die in seiner Gewaltwaren; sondern weil es kurzum ihm so beliebte; und warum be-liebte cs denn dir, du Ewiger, frage ich mit Demuth, das Schlechteredem Besseren vorzuzichen? Und Menschen legen dem Allerhöchstendie Antwort in den Mund: es gefiel mir also, und das ist genug.
Ich entwerfe jetzt mit einiger Eilfertigkeit Anmerkungen, diedas Urtheil über die Streitigkeit erleichtern können, welche sich hier-über erhoben hat. Meine Herren Zuhörer werden sie vielleicht dien-lich finden, den Vortrag, den ich über diesen Artikel in den Vor-lesungen halte, in seinem Zusammenhänge besser einzusehen. Ichfange demnach also an zu schließen.
Wenn keine Welt gemacht werden kann, über die sich nicht nocheine bessere denken ließe, so hat der höchste Verstand unmöglich dieErkenntniß aller möglichen Welten haben können; nun ist dasLetztere falsch, also auch das Erstere. Die Richtigkeit des Ober-satzes erhellt also: wenn ich von einer jeden einzelnen Idee, dieman sich nur von einer Welt machen mag, sagen kann, daß dieVorstellung einer noch besseren möglich sei, so kann dieses auch vonallen Ideen der Welten im göttlichen Verstände gesagt werden; alsosind bessere Welten möglich, als alle, die so von Gott erkannt wer-den, und Gott hat nicht von allen möglichen Welten Kenntnißgehabt. Ich bilde mir ein, daß der Untersatz von jedem Recht-gläubigen werde eingeräumt werden, und schließe, daß eS falschsei, zu behaupten, es könne keine Welt gedacht werden, über diesich nicht noch eine bessere denken ließe, oder welches einerlei ist,es ist eine Welt möglich, über die sich keine bessere denken läßt.Hieraus folgt nun zwar freilich nicht, daß eine unter allen mög-lichen Welten müsse die vollkommenste sein, denn wenn zwei odermehrere derselben an Vollkommenheit gleich wären, so würde, wenngleich keine bessere, als eine von beiden, könnte gedacht werden, dochkeine die beste sein, weil beide einerlei Grad der Güte haben.
Um diesen zweiten Schluß machen zu können, stelle ich fol-gende Betrachtung an, die mir neu zu sein scheint. Man erlaube