442 3um ewigen Frieden. 2. Absch».
kommen organisirten Staaten sehen, daß sie sich doch im äußerenVerhalten dem, was die Rechtsidce vorschreibt, schon sehr nähern,obgleich das Innere der Moralität davon sicherlich nickt die Ursacheist, (wie denn auch nicht von dieser die gute Staatsverfassung, son-dern vielmehr umgekehrt, von der letzteren allererst die gute morali-sche Bildung eines Volks zu erwarten ist,) mithin der Mechanismusder Natur durch selbstsüchtige Neigungen, die natürlicher Weise einan-der auch äußerlich cntgegenwirken, von der Vernunft zu einem Mittelgebraucht werden kann, dieser ihrem eigenen Zweck, der rechtlichenVorschrift, Raum zu machen, und hiemit auch, so viel an demStaat selbst liegt, den inneren sowohl, als äußeren Frieden zu be-fördern und zu sichern. — Hier heißt es also: die Natur willunwiderstehlich, daß das Recht zuletzt die Obergewalt erhalte. Wasman nun hier verabsäumt zu thun, das macht sich zuletzt selbst,obzwar mit viel Ungemächlichkeit. — „Biegt man das Rohr zustark, so brichts; und wer zu viel will, der will nichts." Bou-tcrw ek.
2. Die Idee des Völkerrechts setzt chie Absonderung vielervon einander unabhängiger benachbarter Staaten voraus, und ob-gleich ein solcher Zustand an sich schon ein Zustand des Krieges ist,(wenn nicht eine föderative Vereinigung derselben dem Ausbruchder Feindseligkeiten vorbeugt;) so ist doch selbst dieser nach der Ver-nunflidee besser, als die Zusammenschmelzung derselben durch eine,die andere überwachsende und in eine Universalmonarchie übergehendeMacht; weil die Gesetze mit dem vergrößerten Umfange der Regie-rung immer mehr an ihrem Nachdruck cinbüßen, und ein seelenloserDespotismus, nachdem er die Keime des Guten ausgcrottet hat,zuletzt tu ch in Anarchie verfällt. Indessen ist dieses das Verlangenjedes Staats (oder seines Oberhauptes), auf diese Art sich in dendauernden Friedenszustand zu versetzen, daß er, wo möglich, dieganze Welt beherrscht. Aber die Natur will cs anders. — Siebedient sich zweier Mittel, um Völker von der Vermischung abzu-halten und sie abzusondern, der Verschiedenheit der Sprachen und