426 3um ewigen Frieden. 2. Abschn-
opfern zu lassen*), und der Unterschied der europäischen Wilden vonden amerikanischen besteht hauptsächlich darin, daß, da mancheStämme der letzteren von ihren Feinden gänzlich sind gegessen wor-den, die crsteren ihre Ueberwundenen besser zu benutzen wissen, alssie zu verspeisen, und lieber die Zahl ihrer Unterthanen, mithinauch die Menge der Werkzeuge zu noch ausgebreitetcren Kriegendurch sie zu vermehren wissen.
Bei der Bösartigkeit der menschlichen Natur, die sich im freienVerhältnis der Völker unverhohlen blicken läßt, (indessen daß sie imbürgerlich-gesetzlichen Zustande durch den Zwang der Regierung sichsehr verschleiert,) ist es doch zu verwundern, daß das Wort Rechtaus der Kriegspoliuk noch nicht als pedantisch ganz hat verwiesenwerden können, und sich noch kein Staat erkühnt hat, sich für dieletztere Meinung öffentlich zu erklären; denn noch werden HugoGrotius, Puffendorf, Vattell u. a. m. (lauter leidige Trö-ster), obgleich ihr Codex, philosophisch oder diplomatisch abgefaßt,nicht die mindeste gesetzliche Kraft hat oder auch nur habenkann, (weil Staaten als solche nicht unter einem gemeinschaftlichenäußeren Zwange stehen,) immer treuherzig zur Rechtfertigung einesKriegsangriffs angeführt, ohne daß es ein Beispiel gibt, daß jemalsein Staat durch mit Zeugnissen so wichtiger Männer bewaffneteArgumente wäre bewogen worden, von seinem Vorhaben abzuste-hen. — Diese Huldigung, die jeder Staat dem Rechtsbegriffe (wenigstensden Worten nach) leistet, beweist doch, daß eine noch größere, obzwar zurZeit schlummernde, moralische Anlage im Menschen anzutreffen sei,über das böse Princip in ihm, (was er nicht ableugnen kann,) doch ein-mal Meister zu werden, und dies auch von Anderen zu hoffen; dennsonst würde das Wort Recht den Staaten, die sich einander befeh-den wollen, nie in den Mund kommen, es sei denn, blos um seinen Spottdamit zu treiben, wie jener gallische Fürst es erklärte: „Es ist der
*) So gab ein bulgarischer Fürst dem griechischen Kaiser, der gutmüthi-gcr Weise seinen Streit mit ihm durch einen Zweikampf ausmachen wollte,zur Antwort; „Ein Schmied, der Zangen hat, wird das glühende Eisen ausden Kohlen nicht mit seinen Händen herauslangcn."