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5 (1838) Immanuel Kant's Metaphysik der Sitten : in zwei Theilen, Rechtslehre, Tugendlehre, nebst den kleineren Abhandlungen zur Moral und Politik
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409
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III. Verhältnis der Theorie zur Proxis im Völkerrecht. 4N9

nen; indem jedes gemeine Wesen, unvermögend einem anderen ge-waltthätig zu schaden, sich allein am Recht halten muß und, daßandere ebenso geformte ihm darin zu Hülfe kommen werden, mit-Grunde hoffen kann.

Dieses ist indeß nur Meinung und blos Hypothese; ungewiß,wie alle Urtheile, welche zu einer beabsichtigten Wirkung, die nichtgänzlich in unserer Gewalt steht, die ihr einzig angemessene Natur-ursache angeben wollen; und selbst als eine solche enthält sie, ineinem schon bestehenden Staat, nicht ein Princip für den Unterthan,sie zu erzwingen (wie vorher gezeigt worden,),sondern nur für zwangs-ftcie Oberhäupter. Ob es zwar in der Natur des Menschen nachder gewöhnlichen Ordnung eben nicht liegt, von seiner Gewalt will-kührlich nachzulassen, gleichwohl es aber in dringenden Umständendoch nicht unmöglich ist; so kann man cs für einen, den morali-schen Wünschen und Hoffnungen der Menschen (beim Bewußtseinihres Unvermögens) nicht unangemessenen Ausdruck halten, die dazuerforderlichen Umstände von der Vorsehung zu erwarten, welchedem Zwecke der Menschheit im Ganzen ihrer Gattung zur Errei-chung ihrer endlichen Bestimmung durch freien Gebrauch ihrer Kräfte,so weit sie reichen, einen Ausgang verschaffen werde, welchem dieZwecke der Menschen, abgesondert betrachtet, gerade entgegen-wirken. Denn eben die Entgegenwirkung der Neigungen, aus wel-chen das Böse entspringt, untereinander, verschafft der Vernunft einfreies Spiel, sie insgesammt zu unterjochen, und statt des Bösen,was sich selbst zerstört, das Gute, welches, wenn es einmal da ist,sich fernerhin von selbst erhält, herrschend zu machen.

Die menschliche Natur erscheint nirgend weniger liebenswürdig,als im Verhältnisse ganzer Völker gegen einander. Kein Staat istgegen den anderen wegen seiner Selbstständigkeit oder seines Eigen-thums einen Augenblick gesichert. Der Wille, einander zu unter-jochen, oder an dem Seinen zu schmälern, ist jederzeit da; und dieRüstung zur Vertheidigung, die den Frieden oft noch drückenderund für die innere Wohlfahrt zerstörender macht, als selbst den