Hl. Verhältnis der Theorie zur Praxis im Völkerrecht. 407
Besseren fortgcrückt sei, (kurzdauernde Hemmungen können nichtsdagegen beweisen;) und daß das Geschrei von der unaufhaltsam zu-nehmenden Verunartung desselben gerade daher kommt, daß, wenncs auf einer höheren Stufe der Moralität steht, es noch weiter vorsich sieht, und sein Urthcil über das, was man ist, in Vergleichungmit dem, was man sein sollte, mithin unser Selbsttadel immerdesto strenger wird, je mehr Stufen der Sittlichkeit wir im Ganzendes uns bekannt gewordenen Weltlaufs schon erstiegen haben.
Fragen wir nun: durch welche Mittel dieser immerwährendeFortschritt zum Besseren dürfte erhalten und auch wohl beschleunigtwerden; so sieht man bald, daß dieser ins unermeßliche Weite ge-hende Erfolg nicht sowohl davon abhängen werde, was wir thun,(z. B. von der Erziehung, die wir der jüngeren Welt geben,) undnach welcher Methode wir verfahren sollen, um es zu bewirken; sondernvon dem, was die menschliche Natur in und mit uns thun wird,um uns ^ Gleis zu nöthigen, in welches wir uns von selbstnicht leicht fügen würden. Denn von ihr, oder vielmehr, (weilhöchste Weisheit zur Vollendung dieses Zwecks erfordert wird,) vonder Vorsehung allein können wir einen Erfolg erwarten, der aufsGanze und von da auf die Theile geht, da im Gegentheil die Men-schen mit ihren Entwürfen nur von den Theilen ausgehen, wohlgar nur bei ihnen stehen bleiben, und aufs Ganze, als ein solches,welches für sie zu groß ist, zwar ihre Ideen, aber nicht ihren Ein-fluß erstrecken können; vornehmlich da sie, in ihren Entwürfen ein-ander widerwärtig, sich aus eigenem freien Vorsatz schwerlich dazuvereinigen würden.
So wie allseitige Gewaltthätigkeit und daraus entspringendeNoth endlich ein Volk zur Entschließung bringen mußte, sich demZwange, den ihm die Vernunft selbst als Mittel vorschreibt, näm-lich dem öffentlichen Gesetze zu unterwerfen und in eine staats-bürgerliche Verfassung zu treten; so muß auch die Noch aus den be-ständigen Kriegen, in welchen wiederum Staaten einander zu schmälernoder zu unterjochen suchen, sie zuletzt dahin bringen, selbst wider Willen,entweder in eine weltbürgerlichc Verfassung zu treten; oder ist