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5 (1838) Immanuel Kant's Metaphysik der Sitten : in zwei Theilen, Rechtslehre, Tugendlehre, nebst den kleineren Abhandlungen zur Moral und Politik
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381
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l. Verhältniß der Theorie zur Praxis in der Moral. 381

setzes, (ohne auf dasselbe als Triebfeder Acht zu haben,) zu erwar-tenden Vorthcilcn hergenommene kräftiger auf das Gemüth wirkenwürde; und daß man dem Trachten nach Glückseligkeit vordem, was die Vernunft zur obersten Bedingung macht, näm-lich der Würdigkeit glücklich zu sein, den Vorzug zu geben,bisher zum Grundsatz der Erziehung und des Kanzelvortrages ge-macht hat. Denn Vorschriften, wie man sich glücklich machen,wenigstens seinen Nachtheil verhüten könne, sind keine Gebote; siebinden Niemanden schlechterdings; und er mag, nachdem er gewarntworden, wählen, was ihm gut dünkt, wenn er sich gefallenläßt, zu leiden, was ihn trifft. Die Uebel, die ihm alsdann ausder Verabsäumung des ihm gegebenen Raths entspringen dürften,hat er nicht Ursache für Strafen anzusehen; denn diese treffen nurden freien, aber gesetzwidrigen Willen; Natur ^aber und Neigungkönnen der Freiheit nicht Gesetze geben. Ganz anders ist es mitder Idee der Pflicht bewandt, deren Uebertretung, auch ohne aufdie ihm daraus erwachsenden Nachtheile Rücksicht zu nehmen, un-mittelbar'auf das Gemüth wirkt und den Menschen in seinen eige-nen Augen verwerflich und strafbar macht.

Hier ist nun ein klarer Beweis, daß Alles, was in der Mo-ral für die Theorie richtig ist, auch für die Praxis gelten müsse.In der Qualität eines Menschen, als eines durch seine eigene Ver-nunft gewissen Pflichten unterworfenen Wesens, ist also Jedermannein Geschäftsmann; und da er doch, als Mensch, der Schuleder Weisheit nie entwächst, so kann er nicht etwa, als ein ver-meintlich durch Erfahrung über das, was ein Mensch ist und wasman von ihm fordern kann, besser Belehrter, den Anhänger der Theoriemit stolzer Verachtung zur Schple zurückweisen. Denn alle diese Er-fahrung hilft ihm nichts, um sich der Vorschrift der Theorie zu ent-ziehen, sondern allenfalls nur zu lernen, wie sie besser und allge-meiner ins Werk gerichtet werden könne, wenn man sie in seine Grund-sätze ausgenommen hat; von welcher pragmatischen Geschicklichkeitaber hier nicht, sondern nur von letzteren die Rede ist.