38V Ueber d. Gemeinspr.: das mag in d. Theorie richtig sein u. s. w.
Bortheilcn, die ihm aus ihrer Uebertretung erwachsen könnten, ein-zulassen, gleich als ob er hier noch die Wahl habe.
Daß also diese Unterschiede, (die, wie eben gezeigt worden, nicht sofein sind, als Herr Garve meint, sondern mit der gröbsten und leser-lichsten Schrift in der Seele des Menschen geschrieben sind,) sich, wieer sagt, gänzlich verlieren, wenn cs aufs Handeln an-kömmt, widerspricht selbst der eigenen Erfahrung. Zwar nichtderjenigen, welche die Geschichte der aus dem einen oder demanderen Princip geschöpften Maximen darlegt; denn da beweiset sieleider, daß sie größtentheils aus den letzteren (des Eigennutzes)fließen; sondern der Erfahrung, die nur innerlich sein kann,daß keine Idee das menschliche Gemüth mehr erhebt und biszur Begeisterung belebt, als eben die von einer, die Pflichtüber Alles verehrenden, mit zahllosen Uebeln des Lebens undselbst den verführerischen Anlockungen desselben ringenden, unddennoch, (wie man mit Recht annimmt, daß der Mensch es ver-möge,) sie besiegenden reinen moralischen Gesinnung. Daß derMensch sich bewußt ist, er könne dieses, weil er es soll: das eröff-net in ihm eine Tiefe göttlicher Anlagen, die ihn gleichsam einenheiligen Schauer über die Größe und Erhabenheit seiner wahrenBestimmung fühlen läßt. Und wenn der Mensch öfters daraufaufmerksam gemacht und gewöhnt würde, die Tugend von allemReichthum ihrer aus der Beobachtung der Pflicht zu machendenBeute von Bortheilen gänzlich zu entladen, und sie in ihrer ganzenReinigkeit sich vorzustellen; wenn es im Privat - und öffentlichenUnterricht Grundsatz würde, davon beständig Gebrauch zu machen,(eine Methode, Pflichten einzuschärfen, die fast jederzeit versäumtworden ist;) so müßte es mit der Sittlichkeit der Menschen baldbesser stehen. Daß die Geschichtsersahrung bisher noch nicht denguten Erfolg der Tugendlehren hat beweisen wollen, daran ist wohleben die falsche Voraussetzung Schuld: daß die von der Idee derPflicht an sich selbst abgeleitete Triebfeder für den gemeinen Be-griff viel zu fein sei, wogegen die gröbere, von gewissen in dieser,jawohl auch in einer künftigen Welt aus der Befolgung des Ge-