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5 (1838) Immanuel Kant's Metaphysik der Sitten : in zwei Theilen, Rechtslehre, Tugendlehre, nebst den kleineren Abhandlungen zur Moral und Politik
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I. Verhältniß der Theorie zur Praxis ,'n der Moral. 379

würde, wenn er jenes Pfand sich zueignete; zugleich sei er Menschen-freund und wohlthätig, jene Erben aber reich, lieblos, und dabeiim höchsten Grad üppig und verschwenderisch, so daß es ebenso gutwäre, als ob dieser Zusatz zu ihrem Vermögen ins Meer geworfenwürde. Und nun frage man, ob es unter diesen Umstanden für er-laubt gehalten werden könne, dieses Depositum in eigenen Nutzenzu verwenden? Ohne Zweifel wird der Befragte antworten: Nein!und statt aller Gründe nur blos sagen können: es ist unrecht,d. i. es widerstreitet der Pflicht. Nichts ist klarer, als dieses; aberwahrlich nicht so, daß er seine eigeue Glückseligkeit durch die

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Herausgabe befördere. Denn wenn er von der Absicht auf dieletztere die Bestimmung seiner Entschließung erwartete, so könnte erz. B. so denken:Gibst du das bei dir befindliche fremde Gutunaufgefordert den wahren Eigenthümern hin, so werden sie dichvermuthlich für deine Ehrlichkeit belohnen; oder, geschieht das nicht,so wirst du dir einen ausgebreitetcn guten Ruf, der dir sehr einträg-lich werden kann, erwerben. Aber Alles dieses ist sehr ungewiß.Hingegen treten freilich auch manche Bedenklichkeiten ein: wenn du dasAnvertraute unterschlagen wolltest, um dich auf einmal aus deinenbedrängten Umständen zu ziehen, so würdest du, wenn du geschwin-den Gebrauch davon machtest, Verdacht auf dich ziehen, wie unddurch welche Wege du so bald zu einer Verbesserung deiner Umständegekommen wärest; wolltest du aber damit langsam zu Werke gehen,so würde die Noth mittler Weile so hoch steigen, daß ihr gar nichtmehr abzuhelfen wäre." Der Wille also nach der Maxime derGlückseligkeit schwankt zwischen seinen Triebfedern, was er beschlie-ßen solle; denn er sieht auf den Erfolg, und der ist sehr ungewiß;es erfordert einen guten Kopf, um sich aus dem Gedränge von

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Gründen und Gegengründen herauszuwickeln und sich in der Zusam-menrechnung nicht zu betrügen. Dagegen, wenn er sich fragt, washier Pflicht sei, so ist er über die sich selbst zu gebende Antwortgar nicht verlegen, sondern auf der Stelle gewiß, was er zu thun

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habe. Ja, er fühlt sogar, wenn der Begriff von Pflicht bei ihmetwas gilt, einen Abscheu, sich auch nur auf den Ueberschlag von