S7Ü Ueber d. Gemeinspr.: das mag in d. Theorie richtig sein u. s. w.
ausmache, unter die vernünftelnden Tändeleien gehört. Kannman nämlich bei Anführung einer Ursache zu einer gewissen Wirkungnicht aufhören zu fragen, so macht man endlich die Wirkung zurUrsache von sich selbst.
Jetzt komme ich auf den Punct, der uns hier eigentlich beschäf-tigt: nämlich das vermeintlich in der Philosophie sich widerstreitendeInteresse der Theorie und der Praxis durch Beispiele zu belegen undzu prüfen. Den besten Beleg hiezu gibt Hr. Garve in seiner genann-ten Abhandlung. Zuerst sagt er, (indem er von dem Unterschiede,den ich zwischen einer Lehre finde, wie wir glücklich, und derjeni-gen, wie wir der Glückseligkeit würdig werden sollen, spricht:)„Ich für mein Theil gestehe, daß ich diese Theilung der Ideen inmeinem Kopfe sehr wohl begreife, daß ich aber diese Theilung derWünsche und Bestrebungen in meinem Herzen nicht finde; daßes mir sogar unbegreiflich ist, wie irgend ein Mensch sich bewußtwerden kann, sein Verlangen nach Glückseligkeit selbst rein abgeson-dert, und also die Pflicht ganz uneigennützig ausgeübt zu haben."
Ich antworte zuvörderst auf das Letztere. Nämlich ich räumegern ein, daß kein Mensch sich mit Gewißheit bewußt werden könne,seine Pflicht ganz uneigennützig ausgeübt zu haben; denn dasgehört zur inneren Erfahrung, und es würde zu diesem Bewußseinseines Seelenzustandes eine durchgängig klare Vorstellung aller sichdem Pflichtbegriffe durch Einbildungskraft, Gewohnheit und Neigungbeigesellenden Nebenvorstellungcn und Rücksichten gehören, die inkeinem Falle gefordert werden kann; auch überhaupt kann das Nicht-sein von Etwas, (mithin auch nicht von einem in Geheim gedachtenVorlhcil) kein Gegenstand der Erfahrung sein. Daß aber der Menschseine Pflicht ganz uneigennützig ausüben solle, und sein Ver-langen nach Glückseligkeit völlig vom Pflichtbegriffe absondern müsse,um ihn ganz rein zu haben, dessen ist er sich mit der größten Klar-heit bewußt; oder, glaubte er nicht es zu sein, so kann von ihmgefordert werden, daß er es sei, so weit es in seinem Vermögen ist;^weil eben in dieser Reinigkeit der wahre Werth der Moralität anzu-trcffen ist, und er muß es also auch können. Vielleicht mag nie