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I. Verhältnis der Theorie zur Praxis in der Moral. 375
sich gute Zustand; ein Gutes aus einem ganz anderen Felde, wo aufZwecke, die sich mir anbieten mögen, (mithin auf ihre Summe, dieGlückseligkeit) gar nicht Rücksicht genommen wird, und wo nichtdie Materie der Willkühr, (ein ihr zum Grunde gelegtes Object,)sondern die blose Form der allgemeinen Gesetzmäßigkeit ihrer Maximeden Bestimmungsgrund derselben ausmacht. — Also kann keines-weges gesagt werden, daß jeder Zustand, den ich jeder anderen Artzu sein vorziehe, von mir zur Glückseligkeit gerechnet werde. Dennzuerst muß ich sicher sein, daß ich meiner Pflicht nicht zuwider handle;nachher allererst ist es mir erlaubt, mich nach Glückseligkeit umzu-schen, wie viel ich deren mit jenem meinem moralisch-, (nichtphysisch-) guten Zustande vereinigen kann*).
Allerdings muß der Wille Motive haben; aber diese sind nichtgewisse Vorgesetzte, aufs physische Gefühl bezogene Objecte, alsZwecke, sondern nichts, als das unbedingte G e se tz selbst; für welchesdie Empfänglichkeit des Willens, sich unter ihm, als unbedingterNöthigung, zu befinden, das moralische Gefühl heißt, welches alsonicht Ursache, sondern Wirkung der Willcnsbestimmung ist, von wel-chem wir nicht die mindeste Wahrnehmung in uns haben würden,wenn jene Nöthigung in uns nicht vorherginge. Daher das alteLied: daß dieses Gefühl, mithin eine Lust, die wir uns zum Zweckmachen, die erste Ursach der Willensbestimmung, folglich die Glück-seligkeit, (wozu jene als Element gehöre,) doch den Grund allerobjektiven Nothwendigkcit zu handeln, folglich aller Verpflichtung
*) Glückseligkeit enthalt Alles (und auch nichts mehr, als) was uns dieNatur verschaffen, Tugend aber das, was Niemand, als der Mensch selbst sichgeben oder nehmen kann. Wollte man dagegen sagen, daß durch die Abwei-chung von der letzteren der Mensch sich doch wenigstens Vorwürfe und reinenmoralischen Selbsttadel, mithin Unzufriedenheit zuzichcn, folglich sich unglück-lich machen könne; so mag das allenfalls eingeraumt werden. Aber dieserreinen moralischen Unzufriedenheit, (nicht aus den für ihn nachtheiligen Folgender Handlung, sondern aus ihrer Gesetzwidrigkeit selbst,) ist nur der Tugend-hafte oder der auf dem Wege ist, cs zu werden, fähig. Folglich ist sie nichtdie Ursache, sondern nur die Wirkung davon, daß er tugendhaft ist; und derBewegungsgrund tugendhaft zu sein, konnte nicht von diesem Unglück, (wennman den Schmerz aus einer Unthat so nennen will,) hergenommcn sei».