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5 (1838) Immanuel Kant's Metaphysik der Sitten : in zwei Theilen, Rechtslehre, Tugendlehre, nebst den kleineren Abhandlungen zur Moral und Politik
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373
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I. Verhältniß der Theorie zur Praxis in der Moral. »7»

folgt nun eine dogmatische Behauptung des Gegcntheils. Hr. Garveschließt nämlich analytisch so:In der Ordnung der Begriffemuß das Wahrnehmen und Unterscheiden der Zustände, wodurcheinem vor dem anderen der Vorzug gegeben wird, vor der Wahleines unter denselben, und also vor der Vorausbestimmung einesgewissen Zwecks vorhergehen. Ein Zustand aber, den ein mit Bewußt-sein seiner selbst und seines Zustandes begabtes Wesen dann, wenndieser Zustand gegenwärtig ist und von ihm wahrgenommen wird,anderen Arten zu sein vorzieht, ist ein guter Zustand; und eineReihe solcher guten Zustände ist der allgemeinste Begriff, den dasWort Glückseligkeit ausdrückt." Ferner:Ein Gesetz setztMotive, Motive aber setzen einen vorher wahrgcnommencn Unterschiedeines schlechteren Zustandes von einem besseren voraus. Dieserwahrgenommene Unterschied ist das Element des Begriffs der Glück-seligkeit u. s. w." Ferner:Aus der Glückseligkeit, imallgemeinsten Sinne des Worts, entspringen die Motive zujedem Bestreben; also auch zur Befolgung des moralischenGesetzes. Ich muß erst überhaupt wissen, daß etwas gut ist, eheich fragen kann, ob die Erfüllung der moralischen Pflichten unterdie Rubrik des Guten gehöre; der Mensch muß eine Triebfederhaben, die ihn in Bewegung setzt, ehe man ihm ein Ziel vorsteckenkann*), wohin diese Bewegung gerichtet werden soll."

Dieses Argument ist nichts weiter, als ein Spiel mit der Zwei-deutigkeit des Worts das Gute; da dieses entweder, als an sichund unbedingt Gut, im Gegensatz mit dem an sich Bösen; oder,als immer nur bedingter Weise Gut, mit dem schlechteren oder besse-ren Guten verglichen wird, da der Zustand der Wahl des letzteren

*) Das ist ja gerade dasjenige, worauf ich dringe. Die Triebfeder, welcheder Mensch vorher haben kann, che ihm ein Ziel (Zweck) vorgesteckt wird,kann doch offenbar nichts Anderes sein, als das Gesetz selbst, durch die Achtung,die cs (unbestimmt, welche Zwecke man haben und durch dessen Befolgungerreichen mag,) einflößt. Denn das Gesetz in Ansehung des Formalen derWillkühr ist ja das einzige, was übrig bleibt, wann ich die Materie der Will-kühr, (das Ziel, wie sie Hr. Garve nennt,) aus dem Spiel gelassen habe.