372 lieber d. Gcmeinspr.: das mag in d. Theorie richtig sein u. s. w.
auch von jedem Zweck, den man haben mag, hiebei ganz abstrahirtwird. Bei der Frage vom Princip der Moral kann also dieLehre vom höchsten Gut, als letzten Zweck eines durch sie bestimm-ten und ihren Gesetzen angemessenen Willens (als episodisch) ganzübergangen und bei Seite gesetzt werden; wie sich auch in der Folgezeigt, daß, wo cs auf den eigentlichen Streitpunct ankömmt, daraufgar nicht, sondern blos auf die allgemein e Moral Rücksicht genom-men wird.
c) Hr. Garve bringt diese Sätze unter folgende Ausdrücke:„daß der Tugendhafte jenen Gesichtspunct (der eigenen Glückseligkeit)nie aus den Augen verlieren könne, noch dürfe, — weil er sonstden Uebergang in die unsichtbare Welt, den zur Ueberzeugung vomDasein Gottes und von der Unsterblichkeit gänzlich verlöre; die dochnach dieser Theorie durchaus nothwendig ist, dem System Haltund Festigkeit zu geben;" und beschließt damit, die Summeder mir zugeschriebenen Behauptung kurz und gut so zusammenzu-fassen: „der Tugendhafte strebt jenen Principien zu Folge unauf-hörlich darnach, der Glückseligkeit würdig, aber, insofern er wahr-haftig tugendhaft ist, nie darnach, glücklich zu sein." (Das Wortinsofern macht hier eine Zweideutigkeit, die vorher ausgeglichenwerden muß. Es kann so viel bedeuten, als: in dem Actus, daer sich als Tugendhafter seiner Pflicht unterwirft; und da stimmtdieser Satz mit meiner Theorie vollkommen zusammen. Oder:wenn er überhaupt nur tugendhaft ist, und also selbst da, wo esnicht auf Pflicht ankommt und ihr nicht widerstritten wird, solleder Tugendhafte auf Glückseligkeit doch gar keine Rücksicht nehmen;und da widerspricht das meinen Behauptungen gänzlich.)
Diese Einwürfe sind also nichts, als Mißverständnisse, (dennfür Mißdeutungen mag ich sie nicht halten;) deren Möglichkeitbefremden müßte, wenn nicht der menschliche Hang, seinem einmalgewohnten Gedankengange auch in der Beurtheilung fremder Gedan-ken zu folgen und so jenen in diese hineinzutragen, ein solchesPhänomen hinreichend erklärte.
Auf diese polemische Behandlung des obigen moralischen Princips