34Z Recension von Schulz's Versuch einer Anleitung
mit Gott zu versöhnen, in Anspruch genommen werden soll-ten. — Man kann die gute Absicht des Verfassers hiebei nicktverkennen. — Er will die blos büßende und fruchtlose Reue, diedoch so oft als an sich versöhnend empfohlen wird, weggeschafftwissen, und an deren Statt feste Entschließungen zum besseren Le-benswandel cingeführt haben; er sucht die Weisheit und GütigkeitGottes durch den Fortschritt aller seiner Geschöpfe zur Vollkommen-heit und ewigen Glückseligkeit, obgleich auf verschiedenen -Wegen, alssonst geschieht, zu vertheidigen, — die Religion vom müßigenGlauben zur That zurückzusühren, endlich auch die bürgerlichenStrafen menschlicher und für das besondere sowohl, als allgemeineBeste ersprießlicher zu machen. — Auch wird die Kühnheit seinerspeculaiiven Behauptungen demjenigen nicht so schreckhaft auffallcn,dem bekannt ist, was Ariestley^ ein ebensosehr wegen seiner Fröm-migkeit, als Einsicht hochgeachteter englischer Gottesgclehrte, mit un-serem Verfasser einstimmig behauptet, ja noch mit mehr Kühnheitausgcdrückt hat, und was nun schon mehrere Geistliche in England,obgleich weil unter .ihm an Talenten, ihm ohne Zurückhaltung nach-sprcchcn; ja was nur neuerlich Herr Prof. Ehl.ers von der Frei-heit des Willens für einen Begriff gab, nämlich: als einem Vermögendes denkenden Wesens, seiner jedesmaligen Ideenlage ge-mäß zu handeln.
Gleichwohl wird jeder unbefangene und vornehmlich in dieserArt von Speculation genugsam geübte Leser nicht unbemerkt lassen,daß der allgemeine Fatalismus, der in diesem Werke das vor-nehmste, alle Moral assicirende, gewaltsame Princip ist, (da er allesmenschliche Thun und Lassen in ein bloses Marionettcnspicl verwan-delt,) den Begriff von Verbindlichkeit gänzlich aufhebe, — daßdagegen das Sollen oder der Imperativ, der das praktische Gesetzvom Naturgesetz unterscheidet, uns auch in der Idee gänzlich außer-halb -der Naturkette setze, indem er, ohne unseren Willen als freizu denken, unmöglich und ungereimt ist, vielmehr uns alsdannnichts übrig bleibt, als abzuwarlen. und zu beobachten, was Gottvermittelst der Naturursachen in uns für Entschließungen wirken