Von den Pflichten gegen Gott. 331
nur subjcctiv-logisch. Wir können uns nämlich Verpflichtungsmo-ralische Nöthigung) nicht wohl anschaulich machen, ohne einen An-deren und dessen Willen, (von dem die allgemein gesetzgebende
Vernunft nur der Sprecher ist,) nämlich Gott, dabei zu denken.-
Allein diese Pflicht in Ansehung Gottes, (eigentlich der Idee,welche wir uns von einem solchen Wesen machen,)' ist Pflichtdes Menschen gegen sich selbst, d. i. nicht objektive die Verbind-lichkeit zur Leistung gewisser Dienste an einen Anderen, sondernnur subjective zur Stärkung der moralischen Triebfeder in unserereigenen gesetzgebenden Vernunft.
Was aber das Materiale der Religion, den Inbegriff derPflichten gegen (erga) Gott, d. i. den ihm zu leistenden Dienst(all xraestimäum) anlangt, so würde sie besondere, von der allge-mein-gesetzgebenden Vernunft allein nicht ausgehende, von uns alsonicht a priori, sondern nur empirisch erkennbare, mithin nur zurgeoffenbarten Religion gehörende Pflichten, als göttliche Gebote,enthalten können; die also auch das Dasein dieses Wesens, nichtblos die Idee von demselben, in praktischer Absicht,-nicht willkühr-lich voraussetzen, sondern als unmittelbar oder mittelbar in derErfahrung gegeben darlegen müßte. Eine solche Religion aberwürde, so gegründet sie sonst auch sein möchte, doch keinen Theilder reinen philosophischen Moral ausmachen.
Religion also, als Lehre der Pflichten gegen Gott, liegtjenseit aller Grenzen der rein-philosophischen Ethik hinaus, und dasdient zur Rechtfertigung des Verfassers der gegenwärtigen, daß erzur Vollständigkeit derselben nicht, wie es sonst wohl gewöhnlichwar, die Religion, in jenem Sinne gedacht, in die Ethik mit hinein-gezogen hat.
Es kann zwar von einer „Religion innerhalb der Gren-zen der blosen Vernunft", die aber nicht aus bloser Vernunft ab-geleitet, sondern zugleich auf Geschichts- und Offenbarungslehrengegründet ist, und die nur die Uebereinstimmung der reinenpraktischen Vernunft mit denselben, (daß sie jener nicht widerstreite,)enthält, die Rede sein. Aber alsdann ist sie auch nicht reine, soll-