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5 (1838) Immanuel Kant's Metaphysik der Sitten : in zwei Theilen, Rechtslehre, Tugendlehre, nebst den kleineren Abhandlungen zur Moral und Politik
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328 Tugendlehre. Ethische Methodenlehre. I. Abschn.

die aus dessen Beobachtung für den Menschen, den es verbindensoll, ja selbst auch nicht einmal für Andere fließenden Vortheileoder Nachtheile, sondern ganz rein auf das sittliche Princip ge-gründet werde, der letzteren aber nur beiläufig, als an sich zwarentbehrlicher, aber für den Gaumen der von Natur Schwachenzu blosen Vehikeln dienender Zusätze, Erwähnung geschehe. DieSchändlichkeit, nicht die Schädlichkeit des Lasters (fürden Thätec selbst) muß überall hervorstechend dacgestellt werden.Denn wenn die Würde der Tugend in Handlungen nicht überAlles erhoben wird, so verschwindet der Pflichtbegriff selbst, undzerrinnt in blose pragmatische Vorschriften; da dann der Adel desMenschen in seinem eigenen Bewußtsein verschwindet, und er füreinen Preis feil ist und zu Kauf steht, den ihm verführerischeNeigungen anbieten.

Wenn dieses nun weislich und pünktlich nach Verschiedenheitder Stufen des Alters, des Geschlechts und des Standes, dieder Mensch nach und nach betritt, aus der eigenen Vernunftdes Menschen entwickelt worden, so ist noch etwas, was denBeschluß machen muß, was die Seele inniglich bewegt und dmMenschen auf eine Stelle setzt, wo er sich selbst nicht anders, alsmit der größten Bewunderung der ihm beiwohnenden ursprüng-lichen Anlagen betrachten kann, und wovon der Eindruck nieerlischt.. Wenn ihm nämlich beim Schluffe seiner Unterweisungseine Pflichten in ihrer Ordnung noch einmal summarisch vor-erzählt (recapitulirt), wenn er bei jeder derselben darauf auf-merksam gemacht wird, daß alle Uebel, Drangsale und LeidendeS Lebens, selbst Bedrohung mit dem Tode, die ihn darüber,daß er seiner Pflicht treu gehorcht, treffen mögen, ihm doch dasBewußtsein, über sie alle erhoben und Meister zu sein, nichtrauben können, so liegt ihm nun die Frage ganz naher was istdas in dir, was sich getrauen darf, mit allen Kräften der Naturin dir und um dich in Kampf zu treten, und sie, wenn sie mitdeinen sittlichen Grundsätzen in Streit kommen, 'zu besiegen?Wenn diese Frage, deren Auflösung das Vermögen der spekula-tiven Vernunft gänzlich übersteigt, und die sich dennoch von selbsteinstellt, ans Herz gelegt wird, so muß selbst die Unbegreiflichkeitin diesem Selbsterkenntnisse der Seele eine Erhebung geben, diesie zum Heilighalten ihrer Pflicht nur desto stärker belebt, jemehrsie angefochtcn wird.