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5 (1838) Immanuel Kant's Metaphysik der Sitten : in zwei Theilen, Rechtslehre, Tugendlehre, nebst den kleineren Abhandlungen zur Moral und Politik
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Von der Freundschaft, tz. 47.

er über die Regierung, Religion u. s. w. denkt; aber er darf es nichtwagen; weil Andere, indem sie ihr Urtheil behutsam zurückhalten, davonzu seinem Schaden Gebrauch machen könnten. Er möchte auch wohl An:deren seine Mängel oder Fehler eröffnen; aber er muß fürchten, daß derAndere die seinigen verhehlen, und er so in der Achtung desselbeneinbüßen möchte ff),wenn er sich ganz offenherzig gegen ihn darstellte.

Findet er also einen Menschen, der gute Gesinnungen undVerstand hat, so daß er Am, ohne jene Gefahr besorgen zu dür-fen, sein Herz mit völligem Vertrauen aufschließen kann, und derüberdem in der Art dieDinge zu beurtheilen mit ihm übereinstimmtffff),so kann er seinen Gedanken Luft machen; er ist mit seinen Gedanken nicht .völlig allein, wie im Gefängniß, sondern genießt eine Freiheit, die er indem großen Haufen entbehrt, wo er sich in sich selbst verschließen muß.Ein jeder Mensch hat Geheimnisse und darf sich nicht blindlingsAnderen anvertrauen; theils wegen der unedeln Denkungsart derMeisten, davon einen ihm nachtheiligen Gebrauch zu machen, theilswegen des Unverstandes Mancher in der Beurtheilung und Unter-scheidung dessen, was sich nachsagen'läßt, oder nicht; oder der Jn-discretion ffffff). Nun ist es .aber äußerst selten, jene Eigenschaftenzusammen in einem Subject anzutreffen, (rsra nvis in terris, mKro-yue simillima c^Zno;) zumal da die engste Freundschaft es ver-langt, daß dieser verständige und vertraute Freund sich verbundenachte, ein ihm anvertrautes Geheimniß ffffffff) einem Anderen, für ebenso zuverlässig gehaltenen, ohne des Elfteren, der es ihm anvertraute,ausdrückliche Erlaubniß nicht mitzutheilen.

ff) 1. Ausg.:nicht wagen; theils weil der Andere, der sein Urtheilbehutsam zurückhält, davon zu seinem Schaden Gebrauch machen, theils,was die Eröffnung seiner eigenen Fehler betrifft, der Andere die seinigen...cinbüßen würde,"

ffff) 1» Ausg.:Findet er also Einen, der Verstand hat, bei dem erin Ansehung jener Gefahr gar nicht besorgt sein darf, sondern dem er sichmit völligem Vertrauen eröffnen kann, der überdem auch eine mit Ler seini-gen übereinstimmende Art, die Dinge zu beurtheilen an sich hat,"

ffffff) 1. AuSg.:(der Indiskretion,) welche Eigenschaften anzutref-feu selten ist"

ffffffff) I.Ausg.:verbunden ist, ebendasselbe ihm anvertraute Geheimniß"